Biotop, Ödland, Siek

Biotop

Die abgesenkte Landschaft mit ihren vielfältigen Biotopen entstand im 20. Jahrhundert durch die Tonabgrabungen einer Ziegelei. Mergel, der Grundstoff für die Herstellung von Ziegelsteinen, wurde hinab bis auf die heute noch vorhandene schwarze Tonsteinschicht abgebaut. Auf dieser wasserundurchlässigen Schicht bildeten sich Teiche, deren flache, nährstoffarme Ufer einen wertvollen Lebensraum für seltene Tier- und Pflanzenarten bieten.

Der Geländesprung zu diesem einzigartigen Naturraum ist zu einer Freilichtbühne geformt worden. Hier können Sie sich ausruhen und den Blick über die Landschaft schweifen lassen. Am Horizont zeigen sich die Erhebungen des Wiehengebirges. In der Sommersaison von Anfang Mai bis Ende September wird diese sog „Naturbühne“ u.a. Veranstaltungsort des Literaturfestes „Poetische Quellen“ sowie des Mondscheinkinos sein.

In der Tongrube wurden die Tonsteinschichten des Lias, einer geologischen Formation aus dem Jura, abgebaut. Die dunkel- bis schwarzgrauen Schichten entstanden vor ca. 190 Millionen Jahren als Ablagerung in einem Flachmeer bei feuchtgemäßigtem Klima. Die meist schiefrigblättrig ausgebildeten Tonsteinschichten enthalten sogenannte Toneisensteingeoden, das sind meist eiförmige, eisenhaltige Ansammlungen von Mineralien, die sich in unregelmäßiger Form abgeschieden haben. Als Fossilien findet man Ammoniten und Belemniten.

Die Tonschichten sind weitgehend wasserundurchlässig, daher bildete sich nach Beendigung des Tonabbaues ein Teich mit Niederschlagswasser in der Grube.

Die Tonsteinschichten werden von eiszeitlichen Lockersedimenten der Grundmoräne überlagert. Im Osten und Norden der Grube findet man Abraumhalden aus der Zeit des Tonabbaues.

Ödland

Ödland oder Ruderalflächen entstehen immer wieder neu durch die Einwirkung des Menschen. Nach dem Tonabbau in der alten Ziegeleigrube wurde als Nebenprodukt Rohboden frei gelegt. Die Natur kehrt zurück: Nur kurz ist ein Rohboden öd und leer. Schon nach kurzer Zeit siedeln sich die ersten Pflanzen an. Meist sind es Spezialisten für Erstbesiedelung, Pioniere eben. Ihnen folgen andere, wenn sich Humus gebildet hat.

Pflanzen: Zunächst kommen Arten wie Huflattich, ein- und zweijährige Pflanzen wie Steinklee, Königskerze und Natternkopf. Dann folgen langlebige Stauden, wie z.B. der Rainfarn oder die Goldrute, die eine Ruderalfläche jahrelang besiedeln können. Mit dem Aufwuchs von Robinie und Birke beginnt die Entwicklung zum Wald.

Tiere: Viele Tiere und Pflanzen haben sich in einer langen Entwicklung einander angepasst. Die Pflanzen dienen den Tieren als Nahrung; die Tiere sind Bestäuber und Verbreiter der Pflanzen. Auf "Ödland" sind es in erster Linie Tagfalter, dann Fliegen, Hummeln, Bienen und Käfer, die hier Nahrung finden, sich fortpflanzen und entwickeln. Singvögel holen sich wiederum die Insekten und vor allem die Samen der Pflanzen. Der Distelfink (Stieglitz) trägt schon in seinem Namen die Vorliebe für den Samen der Disteln, typische Pionierpflanzen.

Früher waren ungenutzte, öde Flächen zahlreich vorhanden. Die sporadisch entstehenden "Öd-Ländereien" sind heute sehr selten geworden und deshalb sehr wichtig für viele besonders angepasste Arten.

Siek

Viele der Bachtäler, die das Ravensberger Hügelland zwischen Teutoburger Wald und Wiehengebirge durchziehen, wurden schon vor Jahrhunderten vom Menschen umgestaltet. Durch das Abtragen der Böschungen und die Verlegung der Bäche an die Talränder schufen die "Wiskemaker" (Wiesenmacher) Kastentäler mit steilen Hängen und ebenen, meist bodenfeuchten Talsohlen: die Sieke. Diese bäuerliche Kulturlandschaft diente der Bewirtschaftung der Bachtäler als Wiesen und Weiden. Die steilen Talränder, die mit dichten Hecken bepflanzt waren, brauchten für die hofnahe Beweidung nicht abgezäunt zu werden.

Eine andere Nutzungsform war die Flößwiese. Der Bach wurde aufgestaut und in Flößgräben umgeleitet. Aus den Gräben sickerte das Bachwasser in den eigentlichen Bachlauf zurück. Nährstoffreiche Schwebstoffe lagerten sich als natürlicher Dünger auf den Wiesen ab. Diese besondere Form einer mitteleuropäischen Kulturlandschaft entwickelte sich zu einem ökologisch wertvollen Rückzugsgebiet für viele Tier- und Pflanzenarten im intensiv genutzten Umland.