Die Gäste 2016

Etel Adnan

Schriftstellerin und Künstlerin

Etel Adnan wurde 1925 in Beirut geboren. Ihre Mutter war eine christliche Griechin aus Smyrna, ihr Vater ein muslimischer Syrer aus Damaskus. Sie besuchte französische Schulen in Beirut, begann 1949 das Studium der Philosophie an der Pariser Sorbonne, welches sie 1955 in Berkeley und Harvard in den USA fortsetzte. Von 1958 bis 1972 unterrichtete sie Geisteswissenschaften und Philosophie im kalifornischen San Rafael. Dann kehrte sie nach Beirut zurück und arbeitete als Feuilletonredakteurin bei der Zeitung Al-Safa. Zwei Jahre nach Ausbruch des libanesischen Bürgerkriegs zog sie 1976 nach Paris und ging 1979 wieder nach Kalifornien.
Etel Adnan galt schon lange als Grande Dame der arabischen Literatur als sie im Alter von 87 Jahren im Jahr 2012 zur dOCUMENTA(13) nach Kassel eingeladen wurde, die sie quasi über Nacht auch als eine der interessantesten zeitgenössischen Malerinnen und die vielleicht interessanteste (weil so gut wie einzige) arabische Malerin des letzten Jahrhunderts bekanntmachte.
Etel Adnan begann in den sechziger Jahren, sich parallel zum Schreiben auch bildnerisch auszudrücken. Angeregt durch eine Kollegin des San Raffael College, begann sie zu zeichnen und zu malen. Eine Befreiung, wie sie fand. Zehn Jahre lang malte sie mehr, als sie schrieb. Es entstanden unzählige Tusch-, Tinten- und Federzeichnungen, Aquarelle, erste Ölbilder und Makimonos. In den USA wurde ihr ihre arabische Herkunft und die Situation in den arabischen Ländern bewusst, ihr Schreiben nahm andere Formen an; parallel begann sie, arabische Schriftzeichen – die sie nie gelernt hatte, ihr Arabisch ist mündlich – zu malen, zu aquarellieren und zu zeichnen.
Auch auf diese Weise nahm sie wieder Kontakt zu ihren Wurzeln auf. In diesem Zusammenhang wurden die Makimonos, lange ausfaltbare Bücher, zu einem wunderbaren Medium ihres bildnerischen Schreibens. Während Etel Adnans Ölbilder in leuchtenden, reinen Farben dick gespachtelt sind, atmen ihre Zeichnungen, Aquarelle und Faltbücher, lassen den Grund durchscheinen, sind womöglich eher mit ihrer Dichtung verbunden, gehen ihr voraus oder führen sie weiter. Ob Schreiben oder Malen – Etel Adnan bewegt sich in beidem, fühlt sich der Kunst, wie sie selbst sagt, genauso verbunden wir der Dichtung: „Ich mache keinen Unterschied. Es ist nicht nötig, sich zu entscheiden: Bin ich eher dies oder das. Das Wesentliche ist, was du tust, und dass es die Menschen erreicht, dass es Bedeutung hat.“ Und: „Mir scheint, dass ich schreibe, was ich sehe, male, was ich bin.“
Etel Adnan lebt heute in Paris und gehört neben dem syrisch-libanesischen Dichter Adonis, der algerischen Schriftstellerin Assia Djebar und dem marokkanisch-französischen Schriftsteller Tahar Ben Jelloun zu den wichtigsten Stimmen bei der Standortbestimmung in der arabischen Welt zwischen Tradition und Moderne, Unterdrückung und Freiheitsstreben.

BIBLIOGRAPHIE (AUSWAHL):
„Nacht“, Edition Nautilus: Hamburg, 2016 (erscheint Ende August). Aus dem Englischen von Klaudia Ruschkowski. Gebunden, 128 Seiten. 19,90 Euro. ISBN 978-3-96054-022-9.
„Gespräche mit meiner Seele“, Edition Nautilus: Hamburg, 2015. Aus dem Englischen von Klaudia Ruschkowski. Gebunden, 128 Seiten. 22,00 Euro. ISBN 978-3-89401-815-3.
„Sitt Marie-Rose - Eine libanesische Geschichte“, Suhrkamp Verlag: Berlin, 2014 (suhrkamp taschenbuch 4571). Aus dem Französischen von Eva Moldenhauer. 122 Seiten. 8,99 Euro. ISBN: 978-3-518-46571-4.
„Jahreszeiten. Schrift und Bilder“, Edition Nautilus: Hamburg, 2012. Aus dem Englischen von Klaudia Ruschkowski. Gebunden, 128 Seiten. 22,00 Euro. ISBN 978-3-89401-753-8.
„Arabische Apokalypse“, Suhrkamp Verlag: Berlin, 2012. Aus dem Französischen von Ulrike Stoltz. Broschur, 79 Seiten. 22,95 Euro. ISBN: 978-3-518-42276-2.
„Reise zum Mount Tamalpais“, Edition Nautilus: Hamburg, 2008. Aus dem Englischen von Klaudia Ruschkowski. Gebunden, 96 Seiten. 14,00 Euro. ISBN 978-3-89401-572-5.
„Von Frauen und Städten“, Edition Nautilus: Hamburg, 2006. Aus dem Englischen von Klaudia Ruschkowski. Gebunden, 128 Seiten. 14,90 Euro. ISBN 978-3-89401-477-3.
„Im Herzen des Herzens eines anderen Landes“, Suhrkamp Verlag: Frankfurt/Main, 2004. Aus dem Englischen von Christel Dormagen. Gebunden, 156 Seiten. 16,80 Euro. ISBN: 978-3-518-41649-5.
„Die Sonne zergeht auf der Zunge“, Edition Nautilus: Hamburg, 2004. Herausgegeben von Wolfgang Storch im Auftrag der Internationalen Heiner Müller Gesellschaft (Drucksache N.F. 7). Broschur, 128 Seiten. 14,90 Euro. ISBN 978-3-89401-450-6.
„La Joie de vivre“ – Museum Haus Konstruktiv Zürich. Katalog zur Ausstellung von Etel Adnan. Herausgegeben von Sabine Schaschl. Zürich 2015/16. Text von Sabine Schaschl & Etel Adnan. 124 S. mit 60 farbigen, meist ganzseitigen Abbildungen, broschiert. Texte in deutscher und englischer Sprache. Verlag der Buchhandlung Walther König: Köln, 2015. ISBN 978-3-86335-842-6 / 32,00 Euro.

Corinna Harfouch

Schauspielerin

Corinna Harfouch wurde 1954 in Suhl geboren. Sie zählt zu den bekanntesten und wichtigsten deutschen Theater- und Fernsehschauspielerinnen.
Harfouch studierte von 1978 bis 1981 Schauspiel an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin. Einer ihrer größten Theatererfolge in DDR-Zeiten war die Lady Macbeth unter der Regie von Heiner Müller an der Volksbühne Berlin. Nach der Wende 1989 war sie zunächst am Deutschen Theater in Berlin, wechselte aber schnell zur Volksbühne, wo sie eine der wichtigsten Protagonistinnen des Intendanten Frank Castorf wurde. Aufsehenerregend war hier ihre Interpretation des Generals Harras in Des Teufels General von Carl Zuckmayer. Für diese Rolle wurde sie 1997 von den deutschen Kritikern zur Schauspielerin des Jahres gewählt. Außerdem spielt sie seit November 2004 sehr erfolgreich zusammen mit Ulrich Matthes am Deutschen Theater (DT) Berlin die Rolle der Martha in Edward Albees Wer hat Angst vor Virginia Woolf? unter der Regie von Jürgen Gosch.
Dem deutschen Fernsehpublikum wurde Corinna Harfouch durch ihre einfühlsame Verkörperung der in den 1960ern wegen Mordes verurteilten Titelfigur des dokumentarischen Spielfilms Vera Brühne (2001) bekannt. In Bernd Eichingers Kinofilm Der Untergang (2004) übernahm sie die Rolle der Magda Goebbels, die ihre eigenen Kinder vergiftete.
Neben zahlreichen Auszeichnungen erhielt sie 2015 u.a. dem Grimme-Preis sowie den Deutschen Schauspielerpreis als beste Schauspielerin für ihre Hauptrolle in Der Fall Bruckner.

LITERATUR:
Matthias Braun, Christian Krause: Harfouch, Corinna. In: Wer war wer in der DDR? 5. Ausgabe. Band 1, Ch. Links, Berlin 2010, ISBN 978-3-86153-561-4.

Johannes Gwisdek

Musiker, Tonkünstler, Musikproduzent

Johannes Gwisdek betreibt seit 2009 zusammen mit seinem jüngeren Bruder Robert das Hip-Hop-Projekt Shaban feat. Käptn Peng. Im März 2012 veröffentlichte das Duo sein erstes Album Die Zähmung der Hydra auf dem eigenen Label Kreismusik. Im April 2013 erschien mit Expedition ins O das erste Album der Alternative-Hip-Hop-Band Käptn Peng & Die Tentakel von Delphi. Darüber hinaus schreibt Gwisdeck Film- und Theatermusiken.

AUDIO-CD`S:
„Die Zähmung der Hydra“, Das erste Album von Käptn Peng & Shaban, Kreismusik GmbH & Co KG: Dresden, 2012; Art.-Nr.: 4046661255720; 13,49 Euro.
„Expedition ins O“, Kreismusik GmbH & Co KG: Dresden, 2013; Art.-Nr.: 4046661297928; 13,49 Euro.

Klaudia Ruschkowski

Kuratorin, Herausgeberin, Übersetzerin, Autorin

Klaudia Ruschkowski, 1959 in Dortmund geboren, ist als Dramaturgin, Autorin, Übersetzerin, Herausgeberin und Kuratorin tätig.
Nach einem Studium der deutschen Sprache, Kunst und Philosophie an der Universität Dortmund und in Madrid begann Klaudia Ruschkowski 1985 als Dramaturgin am Westfälischen Landestheater. Parallel war sie für den Rundfunk (WDR, ab 1991 MDR) tätig und arbeitete seit 1989 als freie Produktionsdramaturgin u.a. am Deutschen Nationaltheater Weimar, am Bochumer Schauspielhaus und am Schauspielhaus Erfurt. Mit Jürgen Fischer gründete sie 1991 in Erfurt das Europäische Kulturzentrum in Thüringen, das sie bis 1997 als stellvertretende Leiterin betreute. 1997/98 übernahm sie einen Lehrauftrag für „Künstlerisches Projekt“ des Studiengangs Kulturmanagement an der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar. 1999 wurde sie Geschäftsführerin der Internationalen Heiner Müller Gesellschaft, Berlin, und entwickelte bis 2010 eine Reihe internationaler und interdisziplinärer Werkstätten zu Stücken von Heiner Müller. 2000/2001 leitete sie den italienischen Part des EU-Projekts Connect: A new World of Music for Students. 2001 gründete sie mit Wolfgang Storch „Le Guadalupe“ spazio per le arti in Volterra, ein Forum für künstlerische Produktionen, Workshops und Seminare. Seit 2002 arbeiten beide gemeinsam an dem Projekt Für das Argument der Künste: Konzeption und Organisation von Denk-Werkstätten, Seminaren, Round Tables und Konferenzen zur Entwicklung von Formen künstlerischer Zusammenarbeit.
Seit 1997 arbeitet Klaudia Ruschkowski mit der libanesischen Dichterin und Malerin Etel Adnan zusammen, deren Bücher sie aus dem Englischen übersetzt. Zu Leben und Werk von Etel Adnan veröffentlichte sie zwei Hörspiele auf Deutschlandradio Kultur. Sie ist Kuratorin der hier gezeigten Ausstellung Bilder Schreiben von Etel Adnan. Davor kuratierte sie im Jahr 2012 gemeinsam mit dem italienischen Maler Giuseppe Zigaina und dem deutschen Soziologen Peter Kammerer die Ausstellung Zwei Flüsse – Giuseppe Zigaina und Pier Paolo Pasolini in Berlin. Sie ist mit dem Dramaturgen, Autor und Kurator Wolfgang Storch verheiratet und lebt in der toskanischen Stadt Volterra.

BIBLIOGRAPHIE (AUSWAHL):
„Deutschland – Italien. Aufbruch aus Diktatur und Krieg“, Hrsg.: Klaudia Ruschkowski und Wolfgang Storch, Sandstein Verlag: dresden, 2013 (Stiftung Deutsches Historisches Museum), 396 Seiten, 273 Abb., farbig und sw, Klappenbroschur, ISBN 978-3-95498-018-5 / 19,95 Euro.

Hanna Mittelstädt

Verlegerin, Herausgeberin, Autorin

Hanna Mittelstädt, 1951 in Hamburg geboren, gründete gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten Lutz Schulenburg und Pierre Gallissaires 1974 den Hamburger Verlag Edition Nautilus. Die Anfänge des Verlages liegen in der anarchistischen Bewegung Hamburgs zu Beginn der 70er Jahre. 2014 konnte der Verlag sein 40jähriges Jubiläum feiern. „Wer zu Nautilus will, kommt nicht, weil es hier große Vorschüsse gibt oder wir ein Parteiverlag sind, sondern weil ihn dieses Programm und diese Mischung aus Literatur, Politik und kämpferischer Haltung anspricht“, sagt Hanna Mittelstädt, die auch heute noch eine unermüdliche Büchermacherin ist.

BIBLIOGRAPHIE (AUSWAHL):
Hanna Mittelstädt und Anna Rheinsberg: „Liebe Hanna, Deine Anna. Briefe über Liebe und Literatur“. Edition Nautilus: Hamburg, 1999. 224 Seiten. ISBN 3-89401-299-4 / 15,80 Euro.
Hanna Mittelstädt (Hg.): „Die Ordnung des Profanen hat sich aufzurichten an der Idee des Glücks. Zum Gedenken an Lutz Schulenburg“, Edition Nautilus: Hamburg, 2013 (Aktion Nr. 220, Heft Nr. 220), broschiert, 100 Seiten. ISBN 978-3-89401-759-0 / 10,00 Euro.
Hanna Mittelstädt: „Reise in die Wirklichkeit des mexikanischen Südostens“; broschiert, 64 Seiten, ISBN 978-3-89401-269-4 / 3,00 Euro.

Arnold Stadler

präsentiert erstmals seinen neuen Roman Rauschzeit [2016]

Genau heute, an diesem Tag, erscheint nach gut vierjähriger Wartezeit der neue große Roman des Schriftstellers Arnold Stadler. Sein Titel heißt Rauschzeit und sollte ursprünglich noch mit dem Untertitel oder Die Welt war der Ort, wo die Zeit uns davonlief versehen werden. Erzählt wird die Geschichte von Alain und Mausi, die sich, beide vierzigjährig und seit 15 Jahren miteinander verheiratet, in der Mitte ihres Lebens angekommen fragen: „Was ist Glück? Nachher weiß man es.“ Mit dieser Feststellung beginnt der Roman und mit derartigen Sätzen hat auch das Schreiben insgesamt bei Arnold Stadler begonnen: „… dieser indikativische Vergegenwärtigungszustand, es sind Bilder in kleinen einsilbigen Sätzen, das ist das Urbild eines Satzes bei mir, damit hat mein Schreiben angefangen.“ Auch sein neuer Roman fährt wie in einem Rausch mit diesen kurzen Sätzen auf der Suche nach einer Vergegenwärtigung des Lebens im Glück, in der Liebe, in der Sehnsucht fort. Obwohl alle Figuren dabei, wie im Leben, stets Rückschläge hinnehmen müssen, heißt es dennoch immer wieder. „Und ich war schon ganz verzweifelt, weil ich immer noch so viel Hoffnung hatte.“
Arnold Stadlers Romane kommen, je länger er schreibt, immer trotziger wie eine Litanei des Ja-Sagens und des Lebens daher. Das Wissen um die Vergänglichkeit und die immerwährende Sehnsucht sind sein Thema. Hier haben wir es mit einem Schriftsteller zu tun, der keine Angst hat, sich zu wiederholen, weil er genau weiß, dass auch das Leben eine ständige Wiederholung und ein ständiger Wechsel von Glück und Unglück ist. Dabei ist das Leben einfach, auch wenn wir versuchen, von der Wahrheit abzulenken, indem wir es mit hohlen Worten wie Globalisierung, Transparenz, Kapitalismus, Kompetenz, Selbstoptimierung usw. usw. verhüllen. Stadler spürt diese leeren Hüllen auf, er schreibt uns wieder das Leben auf unseren nackten Leib und enthüllt dabei unseren Unglauben an die Vergänglichkeit des Lebens. Die grandiose Art, wie Stadler dies tut, lässt ihn zu einem der bedeutendsten deutschsprachigen Aphoristiker werden, der mit seinem Werk immer wieder an seiner und an unser aller Partitur des Lebens weiterschreibt, weil die Zukunft seine Sehnsucht ist und die Erinnerung an die Vergangenheit sein Heimweh.
Arnold Stadler, 1954 im südbadischen Meßkirch geboren, wächst auf einem Bauernhof im benachbarten Dorf Rast auf, wo er heute noch lebt. Nach einem Studium der katholischen Theologie in München und Rom, promoviert er schließlich in Freiburg und Köln in Germanistik. 1999 erhielt er den Georg-Büchner-Preis, den bedeutendsten Literaturpreis Deutschlands.

„Dass ein Mensch leben muss und leben können will mit dem, was er ist und wie er nicht anders sein kann, das lese ich bei Stadler.“ [Andreas Maier, Die Zeit]

BIBLIOGRAPHIE (AUSWAHL):
„Rauschzeit“. S. Fischer, Frankfurt a. M. 2016 (ET: 25.08.2016), ISBN: 978-3-10-075139-3, 26,00 Euro.
„Da steht ein großes JA vor mir“. Jung und Jung, Salzburg 20162, 100 Seiten, 14 farbige Abbildungen, borschiert, ISBN 978-3-99027-086-8, 14,00 Euro.
„New York machen wir das nächste Mal. Geschichten aus dem Zweistromland“, S. Fischer, Frankfurt a. M. 2011, ISBN: 978-3-10-075137-9, 17,95 Euro.
„Salvatore“. S. Fischer, Frankfurt a. M. 2008, ISBN: 978-3100751249, 17,90 Euro.
„Sehnsucht. Versuch über das erste Mal“, DuMont, Köln 2011, ISBN: 978-3832161514, 9,99 Euro.
„Die Menschen lügen. Alle“, Insel, Frankfurt a. M. 2005, ISBN: 978-3458348122, 7,00 Euro.
„Eines Tages, vielleicht auch nachts“. S. Fischer, Frankfurt a. M. 2005, ISBN: 978-3596165759, 8,90 Euro.
„Ein hinreissender Schrotthändler“. DuMont, Köln 2010, ISBN: 978-3832161026, 8,95 Euro.
„Einmal auf der Welt. Und dann so“, S. Fischer, Frankfurt a. M. 2009, ISBN: 978-3100751225, 19,95 Euro.
„Komm, gehen wir“. S. Fischer, Frankfurt a. M. 2009, ISBN: 978-3596175727, 9,95 Euro.
„Mein Stifter: Portrait eines Selbstmörders in spe und fünf Photographien“. btb, München 2008, ISBN: 978-3442735075, 8,00 Euro.
„Träumen vom Fliegen“. Hoffmann und Campe, Hamburg 2008, ISBN: 978-3-45538-044-6, 14,95 Euro.
„Ich war einmal“. Suhrkamp, Frankfurt a. M. 2007, ISBN: 978-3518394977, 7,50 Euro.
„Ausflug nach Afrika: Eine Geschichte mit Vorgeschichte“. DuMont, Köln 2006, ISBN: 978-3832179748, 7,50 Euro.
„Tohuwabohu”. DuMont, Köln 2002, ISBN: 978-3832160142, 14,80 Euro.
„Erbarmen mit dem Seziermesser“. DuMont, Köln 2000, ISBN: 978-377015306-0, 17,38 Euro.
„Hans Rath – Malerei“. modo, Freiburg 2000, ISBN: 978-3922675686, 18,50 Euro.
„Feuerland“. Suhrkamp, Frankfurt a. M. 2000, ISBN: 978-3518396179, 7,50 Euro.
„Johann Peter Hebel. Die Vergänglichkeit“, Mayer, Stuttgart 1999, ISBN: 978-3932386077, 14,80 Euro.
„VOLUBILIS oder Meine Reisen ans Ende der Welt“. Edition Isele, Eggingen 1999, ISBN: 978-3861421368, 13,00 Euro.
„Der Tod und ich, wir zwei“. Suhrkamp, Frankfurt a. M. 1998, ISBN: 978-3518393642, 8,50 Euro.
„Mein Hund, meine Sau, mein Leben“. Suhrkamp, Frankfurt a.M. 1996, ISBN: 978-3518390757, 7,50 Euro.

Dazu auch:
Pia Reinacher: „Als wäre er ein anderer gewesen. Zum Werk von Arnold Stadler“, S. Fischer, Frankfurt a. M. 2008, ISBN 978-3596180868, 9,95 Euro.

Andreas Maier

präsentiert erstmals seinen neuen Roman Der Kreis [2016]

„Ich möchte mich einmal an den Punkt schreiben, an dem ich etwas über mein Leben, meine Heimat, meine Familie, die Zeit, in der ich gelebt habe, sagen kann“, sagte Andreas Maier in einem Gespräch, kurz nachdem er seinen Romanzyklus „Ortsumgehung“ zu schreiben begonnen hatte. Nach Das Zimmer, Das Haus, Die Straße und Der Ort erscheint jetzt der fünfte Roman dieses umfassenden zunächst auf 11 Romane angelegten Werkes. Sein Titel: Der Kreis. Ausgehend von den Entdeckungen in der Stille der mütterlichen Bibliothek beschreibt der Roman die Erweiterung des Lebenskreises seines Ich-Erzählers durch die gesamte Schulzeit von der Grundschule bis in die Oberstufe. Am Ende steht die Einsicht, dass das Eigentliche des Leben nicht aus seiner Verklärung, Anbetung oder Mythisierung entspringt, sondern einzig aus der Tatsache, das Leben zu leben, es einfach selbst zu tun.
Als „Versuch einer Rekonstruktion dessen, warum ich so bin, wie ich bin“, umschreibt Andreas Maier seine Arbeit an dem Romanzyklus auch. Dabei geht es ihm „nie um die Erinnerung oder Bewahrung von etwas, sondern darum, einen rhetorisch-polemischen Standpunkt zu uns Menschen und unseren zivilisatorischen Handlungen einzunehmen. Dafür dient mir die Zeitspanne zwischen früher und jetzt.“ Vor diesem Hintergrund erzählt er das individuelle Schicksal seines Ich-Erzählers, wobei er stets auf der Suche nach einem Wortlaut für „das Bezogensein des Menschen auf die Wahrheit“ ist, wie er es in seiner Frankfurter Poetikvorlesung Ich schreibt. So ist die Bibliothek für seinen Erzähler schon gleich zu Beginn der ganze Weltkreis seines Lebens, aus dem heraus die Grundbegriffe unseres Menschseins hinterfragt werden. Wie im Rausch liest man, was Andreas Maier geschrieben hat, und das ist gut so, denn im Rausch kommt man manchmal der Wahrheit über das Leben näher, weil man sich in diesem Zustand nicht nur sich selbst, sondern auch den anderen gegenüber entgrenzt.
Andreas Maier wurde 1967 im hessischen Bad Nauheim geboren. Er studierte Altphilologie, Germanistik und Philosophie in Frankfurt am Main und ist Doktor der Philosophie im Bereich Germanistik. Für die Literaturzeitschrift Volltext schreibt er regelmäßig die Kolumne „Neulich“. Sein in mehr als zehn Sprachen übersetztes Werk wurde mit zahlreiche Preisen und Stipendien ausgezeichnet. Andreas Maier wohnt in Hamburg.

„Maier schreibt, wenn man so will, an einer zeitgenössischen Suche nach der verlorenen Zeit, an einer modernen Éducation sentimentale, an einer Welt von gestern (…).Denn wenn wir diese Bücher lesen, begegnen wir uns auch selber, wir sehen uns größer werden neben dem Kind Andreas und wir werden Teil dieser Geschichten, durch die wir blättern wie in einem Familien-Fotoalbum.“ [Bernd Noack, Nürnberger Nachrichten]

BIBLIOGRAPHIE (AUSWAHL):
„Der Kreis“. Suhrkamp Verlag: Berlin, 2016, ISBN: 978-3-518-42547-3, 20,00 Euro.
„Der Ort“. Suhrkamp Verlag: Berlin, 2016, Taschenbuch, ISBN: 978-3-518-46689-6, 9,99 Euro.
„Mein Jahr mit Udo Jürgens“, Suhrkamp Verlag: Berlin, 2015, ISBN: 978-3-518-42519-0 / 17,95 Euro.
„Ich: Frankfurter Poetikvorlesungen“. Suhrkamp, Frankfurt a. M. 2006, ISBN: 978-3518124925, 10,00 Euro.
„Der Straße“. Suhrkamp Verlag: Berlin, 2015, Taschenbuch, ISBN: 978-3-518-46567-7, 8,99 Euro.
„Das Haus“. Suhrkamp Verlag: Berlin, 2013, Taschenbuch, ISBN: 978-3-518-46416-8, 8,99 Euro.
„Onkel J.: Heimatkunde“. Suhrkamp Verlag: Berlin, 2011, ISBN: 978-3518462614, 7,95 Euro.
„Das Zimmer“. Suhrkamp, Berlin 2010, ISBN: 978-3518421741, 17,90 Euro.
„Sanssouci“. Suhrkamp, Frankfurt a. M. 2009, ISBN: 978-3518420300, 19,80 Euro.
„Bullau. Versuch über Natur“, Suhrkamp, Frankfurt a. M. 2008, ISBN: 978-3518459478, 6,50 Euro.
„Kirillow“. Suhrkamp, Frankfurt a. M. 2006, ISBN: 978-3518457788, 10,00 Euro.
„Klausen“. Suhrkamp, Frankfurt a. M. 2004, ISBN: 978-3518455692, 8,00 Euro.
„Die Verführung“. Wallstein, Göttingen 2004, ISBN: 978-3892448594, 19,00 Euro.
„Wäldchestag“. Suhrkamp, Frankfurt a. M. 2002, ISBN: 978-3518398814, 8,50 Euro.

Ilma Rakusa

stellt erstmals ihren neuen Gedichtband Impressum: Langsames Licht [2016] vor.

„Einen Text, einen Raum mit Ilma Rakusa zu teilen, garantiert einem Schönheit und, was noch viel wichtiger ist, eine Verbindung zwischen Teilen, die sonst auseinanderfallen würden, und das, obwohl bzw. weil ihr Schreiben mit der Auslassung und der Verknappung arbeitet. Sie nimmt dich bei der Hand und führt dich hindurch. (…). Wenn sonst keine Poesie da ist, wird sie durch Ilma erschaffen“, schreibt die Schriftstellerin Terezia Mora über Ilma Rakusa. Auch wenn nach immerhin 15 Jahren erst jetzt mit Impressum: Langsames Licht ein neuer Gedichtband von ihr erscheint, kann man nicht sagen, dass sie sich damit als Dichterin in Erinnerung ruft, denn jedem Buch von ihr, das zwischenzeitlich erschienen ist – sei es ein Roman, ein Essay oder Erzählungen – hat man angemerkt, dass hier eine Dichterin schreibt. Eines der schönsten Beispiele dafür ist ihr als „Erinnerungspassagen“ umschriebenes biographisches Buch Mehr Meer aus dem Jahr 2009, wofür die sie den Schweizer Buchpreis erhielt. In ihrem wunderbaren Essay Langsamer! erzählt Rakusa, dass sie nicht nur einer Schreiberin von Gedichten ist, sondern auch eine passionierte Leserin: „Mit Gedichtbänden in der Tasche streifte ich durch alle möglichen Landstriche. Und ich muß gestehen, daß die Wahrnehmung, die die Verse mir erschlossen, an Genauigkeit, Frische und Extravaganz jeden kommunen Blick auf die Wirklichkeit übertraf.“ Genau dies trifft auch auf ihre eigenen Verse zu, die der slowenische Dichter Aleš Šteger als eine „Archäologin des Lichts“ beschreibt. Das Licht spiegelt sich in der Einfachheit und Musikalität ihrer Poesie wider, vor allem in dem Streben nach Klarheit. So bewegen sich ihre Gedichte auf der Suche nach dem Ausdrückbaren einer Wahrheit, die noch hinter der Wahrnehmung einer vergänglichen Zeit liegt. Der französische Dichter René Char beschrieb diesen stets strahlenden Funken Hoffnung, der auch in der Poesie Ilma Rakusas glüht, wie folgt: „Auf jedes Zusammenbrechen der Beweise antwortet der Dichter mit einer Salve Zukunft.“
Ilma Rakusa wurde 1946 als Tochter eines Slowenen und einer Ungarin in Rimavská Sobota (Slowakei) geboren. Ihre frühe Kindheit verbrachte sie in Budapest, Ljubljana und Triest. 1951 übersiedelte sie mit den Eltern in die Schweiz. Bis heute lebt sie in Zürich, wo sie als Schriftstellerin, Literaturkritikerin, Publizistin und Übersetzerin aus dem Russischen, Ungarischen, Serbokroatischen und Französischen arbeitet.

„Diese Schönheitsempfindlichkeit, diese Erfüllung der Welt mit Poesie ist die besondere Befähigung dieser Autorin, und eine andere ist es, den Leser damit anzustecken. Das Mittel dazu ist das treffende Wort, das Dichterwort.“
[Martin Ebel, Laudatio auf Ilma Rakusa zur Verleihung des Schweizer Buchpreises]

BIBLIOGRAPHIE (AUSWAHL):
„Impressum. Langsames Licht“, Literaturverlag Droschl: Graz, 2016, ISBN: 9783854209492, 20,00 Euro.
„Autobiographisches Schreiben als Bildungsroman“, Sonderzahl, Wien 2014. Stefan Zweig Poetikvorlesung, ISBN: 978-3-85449-408-9, 14,00 Euro.
„Einsamkeit mit rollendem „r“. Erzählungen“, Literaturverlag Droschl: Graz, 2014, ISBN: 978-3-85420-953-9, 18,00 Euro.
„Aufgerissene Blicke. Berlin-Journal“, Literaturverlag Droschl: Graz, 2013, ISBN: 978-3-85420-836-5, 16,00 Euro.
„Mehr Meer. Erinnerungspassagen“, Literaturverlag Droschl: Graz, 2009, ISBN 978-3-85420-760-3, 23,00 Euro.
„Langsamer! Gegen Atemlosigkeit, Akzeleration und andere Zumutungen“, Literaturverlag Droschl: Graz, 2006⊃3;, ISBN: 3-85420-692-5, 12,00 Euro.
„Stille. Zeit. Essays“, Tartin Editionen, Salzburg 2005, ISBN: 9783902163226, 12,00 Euro.
„Farbband und Randfigur. Vorlesungen zur Poetik“, Droschl, Graz 1994. ISBN: 9783854203803, 23,00 Euro.
“Love after love. Acht Abgesänge”, Suhrkamp, Frankfurt a. M. 2001, ISBN: 978-3-518-12251-8, 8,00 Euro.
„Ein Strich durch alles. Neunzig Neunzeiler“, Suhrkamp, Frankfurt a. M. 1997, ISBN: 978-3-518-40899-5, 16,80 Euro.
„Fremdvertrautes Gelände. Essays zur russischen Literatur“, Bd. 1, Thelem Universitätsverlag, Dresden 2011, ISBN-13: 9783942411158, 19,80 Euro.
„Fremdvertrautes Gelände. Essays zur Literatur Mittel- Ost- und Südosteuropas“, Bd. 2, Thelem, Dresden 2011, ISBN-13: 9783942411172, 22,00 Euro.
„Alma und das Meer“. in: Literarische Texte: ab 9 Jahren, hrsg. v. Stiftung Schweizerisches Jugendschriftenwerk., SJW, Zürich 2010, ISBN: 9783726905576, 5.00 Franken. (Kinderbuch).
„Durch Schnee. Erzählungen und Prosaminiaturen“, Suhrkamp, Frankfurt 2006, ISBN: 978-3-518-45794-8. 9,00 Euro. Zur Sprache gehen. Dresdner Chamisso-Poetikvorlesungen 2005“, Thelem, Dresden 2006, ISBN: 978-3-937672-49-6, 12,80 Euro.
„Von Ketzern und Klassikern. Streifzüge durch die russische Literatur“, Suhrkamp, Frankfurt a. M. 2003, ISBN: 3-518-12325-4. kein Preis verfügbar.

Roberta Dapunt

stellt ihren neuen Gedichtband dies mehr als paradies [2016] vor.

In ihrem Essay eine einfache rede schreibt Roberta Dapunt: „Erfahren wird Poesie in der Einfachheit der Dinge (…). Aufgabe des Dichters ist es, die Dinge so zu sagen, wie sie sind, wenn sie gelebt sind, wenn sie von Herz und Geist durchdrungen sind. Die Dichtung führt naturgemäß zu einer Verlängerung des eigenen Lebens, Ausdruck ist sie nicht nur von sich selbst, sondern, ganz einfach und noch einmal, vom Leben“. Um diese sich selbst gestellte Aufgabe bewältigen zu können, ist das Wort „Zugehörigkeit“ (ital.: „apparteneza“) für Roberta Dapunt die Grundlage jedes geschriebenen Gedichts. „Ich bin der Auffassung, dass es das erste Gebot des Schreibens ist, die eigene Herkunft zu bezeugen, die innerliche und die körperliche Herkunft. Von hier aus geht man los, um weiterzukommen.“, sagte sie in einem Gespräch mit dem italienischen Netzkulturmagazin lestroverso.it. Ein zweites wichtiges Wort ist die „Stille“: „Die Stille bleibt oft ungehört, wir vergessen sie, weil wir zu viel Lärm machen, …“ Die Gedichtzeilen von Dapunt, in denen sich die Wörter mit den Elementen der Stille in einer so einfachen und gleichzeitig so klugen Weise abwechseln, sind immer auch ein Dialog mit dem Heiligen, aber es ist das Heilige, das sich in den Geheimnissen des Alltäglichen offenbart. Gemeint ist damit eine heilige Klarheit und Eindeutigkeit, die sich in der Erde, in den Rhythmen der Natur, in den Jahreszeiten wiederfindet, die sich äußert in einem Leben in den Bergen und in den Riten, die sich mit den Menschen dort und ihren nicht an die Zeit, sondern an die Natur gebundenen Gesten verbindet; die sich nicht zuletzt äußert in einem Zusammenleben mit den Tieren und – eben – in der Stille und der Zugehörigkeit zu diesem Platz der Erde.
Roberta Dapunt wurde 1970 in Abtei/Badia in Italien geboren, welches zu den fünf mehrheitlich ladinischsprachigen Gemeinden des Gadertals (Val Badia) gehört und von den Gebirgsmassiven der Dolomiten umringt wird. Zusammen mit ihrem Mann, dem Bildhauer Lois Anvidalfarei, lebt und arbeitet sie heute auf dem alten Bauernhof Ciaminades, der nahe zu Badia gelegen ist. Sie schreibt in italienischer und ladinischer Sprache. „Ciaminades ist ein Mikrokosmos, der für mich jedoch die ganze Welt enthält“, sagt Dapunt. „Hier geschieht alles, Geburt und Tot, Krankheit und Arbeit auf den Feldern, Schreiben und Stille.“ Es ist diese existentielle Erfahrung von Welt, die Dapunt zu den interessantesten Dichterinnen einer jüngeren zeitgenössischen Lyrikergeneration nicht nur in Italien macht.

„Dichtung, die nicht singt, die durch bescheidene und anspruchslose Verse ihren Ausdruck findet, da sie in einer Stille zwischen Erbarmen und Erstaunen zu klingen aufhören.“
[Giovanni Tesio, LA STAMPA/tuttolibri, Turin]

BIBLIOGRAPHIE:
„dies mehr als paradies“. Folio Verlag: Wien-Bozen, 2016, ISBN: 978-3-85256-680-1, 19,90 Euro.
„Nauz. Gedichte und Bilder“, Folio Verlag: Wien-Bozen, 2012, ISBN: 978-3-85256-582-8, 22,90 Euro.

Nikola Madzirov

stellt seinen Gedichtband Versetzter Stein [2011] vor.

Für Nikola Madzirov verändert die Dichtung die Welt nicht, vielmehr hilft sie dabei, die Welt zu erschaffen. Auf die Frage, woran er gerade arbeite, sagte er dem California Journal of Poetics: „Woran ich ständig arbeite ist der Kampf gegen die vererbte Idee nach einem festen Zuhause, einer unveränderbaren Sprache und einer endgültigen Wahrheit.“ Die Antwort drückt aus, wovon viele seiner Gedichte handeln: Sie beschreiben eine geradezu spirituelle Heimatlosigkeit, die Madzirov aus innerem Antrieb und eigener Erfahrung heraus bewusst positiv auslegt: Als einen offenen Raum, in dem die Möglichkeit des Wandels immer besteht. Diese positive Zuwendung zur Welt und zum Leben findet ihren Widerhall in der Einfachheit und Leichtigkeit seiner Verse, in denen oftmals von „Umarmungen“ die Rede ist. So heißt es in dem Gedicht „Anwesenheit“: Sei allein, aber nicht einsam, / damit dich der Himmel umarmen kann. / Damit du die einsame Erde umarmen kannst.
Zeit, Raum und Stille sind die Weiten, in die sich die Gedichte Madzirovs ausdehnen: „Für mich haben Raum und Zeit viele Ebenen. Gadamer, einer meiner liebsten Philosophen, unterscheidet zwei Arten von Zeit: zum einen die Zeit der Dinge und zum anderen unsere Zeit. Die Zeit der Dinge steht in einem sozialen Kontext, das ist die Zeit für die Dinge, die wir tun müssen. Die zweite Zeit ist die Zeit unserer Kindheit, die Zeit unseres Lebens, die Zeit unseres Todes. Wir leben im Dazwischen dieser beiden Zeiten und zwischen ihnen liegt der Raum“. Schon sein Nachname „Madzirov“ kann als Hinweis auf eine Bewegung durch Zeit und Raum gelesen werden: Seine Vorfahren waren durch die Balkankriege 1912/13 gezwungen, aus dem Teil Mazedoniens wegzuziehen, der heute noch zu Griechenland gehört. Sie wurden „madziri“ genannt, was so viel wie „Menschen ohne Zuhause“ bedeutet. Das Wort stammt aus dem Arabischen und bezeichnete die Anhänger Mohammeds, die mit ihm von Mekka nach Medina gezogen sind.
Nikola Madzirov wurde 1973 in Strumica nahe der bulgarischen Grenze geboren. Seit gut einem Jahrzehnt feiert er in der internationalen Lyrikszene Erfolge und findet mit seinen in dreißig Sprachen übersetzten Gedichten überall auf der Welt begeisterte Leser.

„Wie dem eigenen Namen ist auch den Gedichten Nikola Madzirovs eine stimulierende Bewegung eingeschrieben. Verlust und Suche nach Neuem, die Gleichzeitigkeit von Gegenwart und Vergangenheit, das Aufeinandertreffen von Vergänglichkeit und Wiederkehr. (…) Er ist ein Chronist der Ungewissheiten und Übergänge. Nie haben diese in seiner Lyrik aber etwas Beängstigendes. (…).So lesen sich alle Gedichte des Makedoniers als Aufforderung, sich und seine Sicht auf das Leben neu zu positionieren.“
[Carsten Hueck, Deutschlandradio Kultur]

BIBLIOGRAPHIE (AUSWAHL):
„Versetzter Stein“. Carl Hanser Verlag: München 2011 (Edition Lyrik Kabinett), ISBN: 978-3-446-23748-3, 14,90 Euro.

Alexander Sitzmann

Übersetzer; Herausgeber

Alexander Sitzmann, geboren 1974 in Stuttgart, studierte Skandinavistik und Slawistik in Wien und forscht und lehrt an der dortigen Universität. Seit 1999 ist er als freier literarischer Übersetzer aus dem Bulgarischen, Mazedonischen und den skandinavischen Sprachen tätig. Er ist Autor zweier sprachwissenschaftlicher Monografien, Herausgeber mehrerer Anthologien und Zeitschriftenschwerpunkte. 2004 erhielt er den Ehrenpreis des bulgarischen Kultusministeriums, 2007-2013 die Übersetzerprämie des bm:ukk, sowie zahlreiche weitere Stipendien.

BIBLIOGRAPHIE (AUSWAHL):
Alexander Sitzmann, Sven H. Rossel (Hg.): „Faröer“, Wieser Verlag: Klagenfurt, 2016 (Reihe: Europa Erlesen), ISBN 978-3-99029-083-5/ 14,95 Euro.
Alexander Sitzmann, Sven H. Rossel (Hg.): „Kopenhagen“, Wieser Verlag: Klagenfurt, 2003 (Reihe: Europa Erlesen), ISBN 978-3-85129-351-7 / 14,95 Euro.
Alexander Sitzmann, Valeria Jäger (Hg.): „Plovdiv“, Wieser Verlag: Klagenfurt, 1999 (Reihe: Europa Erlesen), ISBN 978-3-85129-299-2 / 14,95 Euro.

Thomas Streipert

Sprecher, Schauspieler, Sänger

Geboren 1978 in Thüringen, studierte Thomas Streipert nach dem Abitur zunächst Italianistik und Philosophie an der Universität Leipzig, bevor er von 1999 bis 2005 an der Hochschule für Musik und Theater Felix-Mendelssohn-Bartholdy ein Klassisches Gesangsstudium absolvierte, das durch Meisterkurse bei Prof. Horst Günther und Prof. Peter Sefcik ergänzt wurde. Von 2005 bis 2008 war er an der Neuen Werkbühne München engagiert, wo er zum Schauspieler ausgebildet wurde und in zahlreiche Rollen auftrat. 2009 kehrte er zurück nach Leipzig und arbeitet seitdem als freischaffender Schauspieler und Sänger. Im selben Jahr erhielt er an der Universität Leipzig einen Lehrauftrag für „Rede - Präsentation - Wirkungsbewusstsein“. Seit 2010 ist er zudem als Theaterautor und Regisseur tätig. Gemeinsam mit Mareike Greb gründete er im Jahr 2012 das WerkEnsembL.E., ein freies Theaterprojekt für Leipzig und Umgebung.

Harald Sieger

Kantor

Harald Sieger, 1975 in Bonn geboren, wuchs in Meckenheim im Rheinland auf. Bereits im Kindesalter kam er als Gründungsmitglied des Kinderchors der Ev. Kirchengemeinde Meckenheim mit der Kirchenmusik in Berührung. Das Studium der Kirchenmusik absolvierte er an der Kirchenmusikschule der Ev. Kirche im Rheinland und an der Robert-Schumann-Hochschule für Musik in Düsseldorf. Neben seinem Studium besuchte er u.a. Meisterkurse für Orgel bei Prof. Torsten Laux, Prof. Almut Rössler und Prof. Hans- Dieter Möller. Seit Januar 2004 ist er als Kantor für die Kirchenmusik an der Auferstehungskirche verantwortlich. Im Sommer 2008 wurde er zusätzlich zum Synodalbeauftragten für Kirchenmusik und Kreiskantor im Kirchenkreis Vlotho ernannt.

Katharina Winkler

stellt ihren Debütroman Blauschmuck [2016] vor.

Katharina Winkler geht es in Blauschmuck, ihrem ersten Roman, ausschließlich um das Erzählen. Sie will dabei nichts erklären. „Leben zu bewerten finde ich vermessen. Moral ist keine künstlerische Kategorie. Und sie versagt wie jedes System am individuellen Fall, sie kann das Leben nicht fassen“, sagte sie der Wiener Tageszeitung Der Standard. Winkler hingegen gelingt es mit ihrer sinnlich-poetischen Sprache eine unfassbare Geschichte zu erzählen, von der man sich gerade aufgrund der sprachlichen Intensität nicht abwenden mag. Es handelt sich hier um die Erzählung „nach einer wahren Lebensgeschichte“. Filiz, die Erzählerin des Romans, wächst als drittes von neun Geschwistern in großer Armut auf dem türkischen Land auf. Noch nicht volljährig heiratet sie gegen den Willen ihres Vaters den 18jährigen Yunus und wird von ihrer Familie verstoßen. Yunus verspricht ihr ein freieres Leben im Westen, hält sie aber auf dem Hof seiner Mutter wie eine Sklavin. Filiz bekommt drei Kinder, muss schuften und eine Burka tragen. Sehr bald trägt sie, wie die anderen Frauen im Dorf, ihren Blauschmuck. Nur: Hinter diesem vermeintlich makellosen Wort, welches in der Phantasie Bilder von mit prächtigen Ketten, Anhängern und Ringen verzierten schönen orientalischen Frauen hervorzurufen vermag, verbirgt sich die ganze männliche Brutalität, die die Frauen im Dorf erleiden müssen. Gemeint sind damit die durch Gewalt und Vergewaltigung entstandenen Hämatome und Blutergüsse am Körper der Frauen. Filiz, ihre Kinder und ihr Mann gehen schließlich doch noch in den Westen, nach Österreich, wo die Geschichte zuerst keinen besseren Verlauf nimmt.
Katharina Winkler ist 13 Jahre alt als sie ihrer Protagonistin zum ersten Mal in der Landarztpraxis ihres Vaters begegnet, eine Begegnung, aus der sich nach und nach eine Beziehung entwickelt. Sie ist Anfang 20 als die Frau ihr von ihren erlittenen Qualen erzählt. In einer langen Woche entstehen so mehr als 60 Stunden Tonmaterial. Winkler brauchte schließlich 10 Jahre, um eine Sprache zu finden, mit der sie diese Geschichte erzählen konnte. Ganz am Ende gelingt Filiz doch noch der Ausbruch aus ihrer Hölle. Heute arbeitet sie als akademische Fachkraft für Sozialpsychiatrie und alle ihre drei Kinder sind beruflich ebenfalls sehr erfolgreich.
Katharina Winkler wurde 1979 in Wien geboren. Sie studierte Germanistik, Theater- und Musikwissenschaften und arbeitete mehrere Jahre als Schauspielerin. Heute lebt sie in Berlin.

„Der Sprachrhythmus entwickelt einen faszinierenden Sog, dem man sich kaum entziehen kann. Und immer wieder steigert die Autorin ihre Bildkraft zu eindringlichen Sentenzen mit geradezu lyrischem Charakter. (…) Einfach großartig!“
[Christian Schacherreiter, nachrichten.at]

BIBLIOGRAPHIE:
„Blauschmuck“. Suhrkamp Verlag: Berlin, 2016, ISBN: 978-3-518-42510-7 / 18,95 Euro.

Suleman Taufiq

stellt seine neue Novelle Café Dunja. Ein Tag in Damaskus [2015] vor.

Nehmen Sie sich endlich einmal wieder Zeit! Vier Stunden wären ausreichend. Dann stecken Sie sich das neue Buch von Suleman Taufiq Café Dunya. Ein Tag in Damaskus in die Tasche und gehen damit in ihr Lieblingscafé. Dort bestellen Sie sich einen Tee oder einen Kaffee, vielleicht ein Stück Kuchen dazu, und beginnen zu lesen. Bald schon werden Sie an einen anderen Ort entführt, finden sich in einer magischen Stadt – Damaskus – und in einem anderen Café wieder, eben im Café Dunya, dem Mittelpunkt eines kleinen Platzes in der Altstadt von Damaskus. Sie nehmen die Düfte, Geräusche und Gerüche dieses Ortes wahr. Aus den Häusern dringt Musik, Händler führen Gespräche mit möglichen Käufern, im Café duftet es nach verschiedenen Teesorten, Kaffeebohnen und den Tabakaromen der Wasserpfeifen. Eine angenehm kühlende Sommerbrise führt den Duft von Rosen, Lavendel und Zedern mit sich.
An einem solchen Ort sitzt Samir, der Erzähler der neuen Novelle von Suleman Taufiq. Nach einem Studium und Arbeit in Deutschland ist der junge Mann nach Damaskus zurückgekehrt, um sich um seine alte Mutter zu kümmern. In das Café Dunya gelangt er, weil er einer betörenden Unbekannten in das Gassengewirr der Altstadt von Damaskus gefolgt ist. Hier sitzt er nun unter einem Chininbaum und taucht ein in den Kosmos des 1910 gegründeten Cafés, welches immer noch Treffpunkt von Künstlern, Intellektuellen, Händlern und Bewohnern des Viertels ist, die ihre bunten Geschichten über ihn ausgießen. Hier hofft er, der Schönen wieder zu begegnen.
Das Kaffeehaus wird zum Spiegel der Gesellschaft mit Gesprächen über Religion, Philosophie und die Familie. Es erscheint wie eine Idylle, die es heute im kriegszerstörten Syrien vorerst nicht mehr geben wird. Aber ist Taufiqs Novelle deswegen unpolitisch? Was kann politischer sein als die Hoffnung, an einem öffentlichen Ort freie Gespräche unter Menschen führen zu können, die keine Angst vor korrupten und ideologisierten Machthabern haben müssen?
Suleman Taufiq, 1953 in Beirut geboren, wuchs in Damaskus auf. 1971 kam er nach Deutschland und studierte Philosophie und Komparatistik. Seit 1986 lebt er als freier Schriftsteller in Aachen. Neben der Veröffentlichung eigener Erzählungen, Essays und Gedichtbände übersetzte Taufig zahlreiche deutsche Dichter ins Arabische und viele arabische Werke ins Deutsche, darunter auch einen Gedichtband von Joumana Haddad.

„Mit Humor und Sympathie beschreibt Suleman Taufiq die Menschen im Café und lässt eine schillernde Karawane durch diese zeit-enthobene Oase ziehen (…). Wer diese schöne Schilderung liest, denkt unweigerlich an das Syrien von heute. Wo sich eben nicht so angenehm der Tag vertändeln lässt, weil ihn Terror und Diktatur bestimmen.“
[Claudio Campagna, NDR Kultur]

BIBLIOGRAPHIE (AUSWAHL):
„Café Dunya. Ein Tag in Damaskus“, Edition Orient: Berlin, 2015, ISBN: 978-3-922825-91-3, 17,90 Euro.
„Im Schatten der Gasse. Erzählung“, Edition Orient: Berlin, 2015⁴, ISBN 978-3-922825-48-7, 16,90 Euro.
„Mein Kairo, ein Stadtlesebuch“. hrsg. mit Jörg Armbruster, Edition Esefeld & Traube: Stuttgart, 2014, ISBN: 978-3-9809887-8-0, 53,00 Euro. (Fotoband)
„Hier Wohnt die Stille, Gedichte“. Hans Schiler Verlag: Berlin, 2009. ISBN: 978-3-89930-268-4 / 24,00 Euro.
„Was weißt du von mir. Liebesgedichte“, Edition Orient: Berlin, 2004. ISBN: 978-3-922825-67-8, 12,00 Euro.
„Frauen in der arabischen Welt“. dtv: München, 2004. ISBN: 9783423109345, 9,00 Euro. (Herausgeber und Übersetzer)
„Das Schweigen der Sprache. Gedichte“, Edition Orient: Berlin, 1988, ISBN: 978-3-922825-32-6, 10,00 Euro.
„Huda bekommt ein Brüderchen“. Carlsen: Hamburg, 2011, ISBN: 9783551086914, 3,99 Euro. (Kinderbuch)
„Oh wie schön ist Fliegen. Kinderbuch“, Edition Orient: Berlin, 2006⊃3;. ISBN: 978-3-922825-34-0, 14,80 Euro.
„Arabische Erzählungen“. dtv, München 2004. ISBN: 3-423-13263-9 10,00 Euro. (Herausgeber und Übersetzer)
„Neue Arabische Lyrik“. dtv, München 2004, ISBN: 9783423132626. 9,00 Euro. (Hrsg. und Übersetzer)
„Der wahre Schleier ist das Schweigen“. Fischer, Frankfurt a. M. 2001⊃2;, ISBN: 3-596-15087-6, 8,90 Euro.
„Mittenaus Mittenein. Irakische Lyrik“, Das arabische Buch, Berlin 1993. ISBN: 9783899300383, 12,30 Euro.
„Spiegel des Anblicks. Gedichte“, Edition Orient: Meerbusch 1993. ISBN: 978-3-922825-54-8, 10,00 Euro.

Katharina Hacker

stellt ihren Roman Skip [2015] vor.

Ihren jüngsten Roman Skip leitet Katharina Hacker mit einem Zitat des Philosophen Ludwig Wittgenstein ein, in dem es an einer Stelle heißt: „Daß das Leben problematisch ist, heißt, daß Dein Leben nicht in die Form des Lebens paßt. Du mußt dann Dein Leben verändern, und paßt es in die Form, dann verschwindet das Problematische.“ Skip Landauer, Hauptfigur des Romans, ist den ganzen Roman hindurch auf der Suche nach einer Form für sein Leben, stets von der Hoffnung getrieben, kleine Momente des Glücks einfangen zu können. Dabei ist Skip nichts ganz: In Paris geboren, als Sohn eines jüdischen Vaters und einer nichtjüdischen Mutter, lebt er in Tel Aviv. Er ist Architekt, der schon lange keine Häuser mehr selbst baut, sondern sich nur um den Umbau fremder Häuser kümmert. Er ist verheiratet mit Shira und hat zwei Söhne, von denen er nicht weiß, ob sie wirklich von ihm sind. Als Shira stirbt, ist er schließlich Witwer. Dazu kommt, dass er immer wieder von einer inneren Stimme an Orte gerufen wird, an denen kurze Zeit darauf ein Unglück geschieht. Aber Skip verzweifelt nicht. Er lebt in Erinnerungen und in Gedanken an die Möglichkeiten einer Zukunft, wobei die Quelle seiner Kraft darin besteht, ausgelassene oder verpasste Chancen im Lebens nicht als Leere zu empfinden, sondern sie als eine andere Art von Möglichkeiten anzunehmen. Der Roman spielt größtenteils in Israel, führt aber auch nach London und dann nach Berlin. Das Schicksal der Figuren spielt sich nicht nur im Privaten ab, sondern weist immer wieder auch auf gesellschaftspolitische Hintergründe vor allem in Israel hin.
Katharina Hacker, 1967 in Frankfurt/Main geboren, studierte ab 1986 Philosophie, Geschichte und Judaistik in Freiburg. 1990 wechselte sie an die Hebräische Universität Jerusalem, arbeitete parallel als Deutschlehrerin sowie an der School for Cultural Studies in Tel Aviv. Ihren Roman Skip bezeichnet sie auch als letzte Gelegenheit, um die Bilder, die sie in jener Zeit geprägt haben, nochmals lebendig werden zu lassen. 2006 wurde sie für Ihren Roman Habenichtse mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet. Über Ihr Schreiben sagt sie: „Im Lauf der Jahre habe ich gemerkt, wenn ich etwas schreibe, dann schreibe ich das nicht, um anderen mitzuteilen, was ich denke. Sondern um einen Raum zu eröffnen für andere. Schreiben heißt für mich, Gedanken vorzuschlagen und auszuprobieren.“

„Katharina Hacker findet mit dem ersten Satz in Skip einen vehement lapidaren und vereinnahmenden Ton für den Ich-Erzähler und seine anregenden Selbstreflektionen. (…) Es geht um das Entscheidende und das Schönste. Denn Skip denkt über nichts Geringeres als über das Leben nach, … Ohne Zweifel eines der wichtigsten Bücher des Herbstes.“
[Verena Auffermann, Deutschlandradio Kultur]

BIBLIOGRAPHIE (AUSWAHL):
„Skip“. S. Fischer Verlag: Frankfurt a. M., 2015, ISBN: 978-3-10-030065-2, 21,99 Euro.
„Eine Dorfgeschichte“. S. Fischer Verlag: Frankfurt a. M., 2011. ISBN: 978-3-596-19245-8, 9,99 Euro.
„Tel Aviv. Eine Stadterzählung“, Suhrkamp Verlag: Frankfurt a. M., 1997, ISBN: 3-518-12008-5, 8,99 Euro.
„Die Habenichtse“. Suhrkamp Verlag: Frankfurt a. M., 2006, ISBN: 978-3-518-45910-2, 9,99 Euro.
„Überlandleitung. Prosagedichte“, Suhrkamp Verlag: Frankfurt a. M., 2007, ISBN: 978-3-518-41909-0, 8,99 Euro.Die Erdbeeren von Antons Mutter. Fischer, Frankfurt am Main 2010, ISBN 978-3-10-030064-5, 17,95 Euro.
„Alix, Anton und die anderen“. Suhrkamp, Frankfurt a. M. 2009, ISBN: 978-3-518-42127-7, 19,90 Euro.
„Eine Art Liebe“. Suhrkamp, Frankfurt a. M. 2003, ISBN: 978-3-596-18970-0, 9,99 Euro.
„Der Bademeister“. Suhrkamp, Frankfurt a. M. 2000, ISBN: 3-518-45905-8, 9,99 Euro.
„Skizze über meine Großmutter“. in: „Von denen Schnecken“. Dielmann, Frankfurt a. M. 1999, ISBN: 3-929232-53-7, 7,00 Euro. (mit Paulus Böhmer)
„Morpheus oder Der Schnabelschuh. Erzählungen“, Suhrkamp, Frankfurt a. M. 1998, ISBN: 3-518-12092-1, 8,99 Euro.

Georgi Gospodinov

stellt seine Erzählungen 8 Minuten und 19 Sekunden [2016] vor.

„Ich sind“ – so heißt ein Satz gleich am Anfang von Georgi Gospodinovs letztem romanhaften Erzählbuch Physik der Schwermut aus dem Jahr 2014. Dieser Satz, der eigentlich keiner ist, bringt dennoch in kürzester und genauester Form das Anliegen zum Ausdruck, dass dieser Schriftsteller mit seinem Schreiben beabsichtigt: Anteilnahme am Menschlichen und am Menschen zu wecken, „damit das Menschliche bewahrt bleibt“. In seiner Antrittsrede zur Siegfried-Unseld-Gastprofessur an der Humboldt-Universität zu Berlin sagte Gospodinov: „Heute, da in der Gesellschaft allenfalls ein kippeliger Waffenstillstand herrscht, die Befindlichkeit der Menschen an vielen Orten Europas zwischen Wut und Depression schwankt, ist Empathie, wie Literatur sie erzeugen kann, von lebenswichtiger Bedeutung.“ Und wenn Gospodinov an anderer Stelle bemerkt, dass es ein besonderes Merkmal gerade der großen europäischen Literatur sei, in ihren besten Werken „vom zweifelnden, besorgten, schuldbeladenen, zerbechlichen Menschen“ zu erzählen, so trifft dies auch auf ihn selbst und sein Schaffen zu.
Die Menschen in Gospodinovs Erzählungen 8 Minuten und 19 Sekunden pendeln zwischen Erinnerungen an die Vergangenheit und Wünschen und Hoffnungen auf die Zukunft durch ihr Leben, wobei der Autor es kunstvoll versteht, gerade das Vergängliche, Flüchtige und Fragile des Augenblicks zu beschreiben, ganz egal, ob dieser in der Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft liegt. Was alleine zählt ist, dass der Mensch eine Geschichte hat. Dann erst wird er zum Menschen: „Das ist die wahre Metamorphose. Das ist das Wunder der Literatur“, so Gospodinov.
Georgi Gospodinov wurde 1968 in Jambol in Bulgarien geboren. Neben seiner Arbeit als Schriftsteller ist er auch als Literaturwissenschaftler, Redakteur und Kolumnist tätig. Dass er ein genauer Beobachter aktueller Geschehnisse ist, beweist er in seinen Kolumnen für die bulgarische Tageszeitung Dnevnik und für die Deutsche Welle, in denen er zu gesellschaftlichen Themen Stellung bezieht. Literarisch debütierte er 1992 mit dem Gedichtband Lapidarium. Es folgte 1999 sein erster Roman Natürliche Roman, der ihn bei einem internationalen Publikum bekannt machte und mittlerweile in 23 Sprachen übersetzt ist. Damit ist Gospodinov heute der meist übersetzte und weltliterarisch rezipierte zeitgenössische Schriftsteller Bulgariens.

„Georgi Gospodinov macht aus Lesern Menschen. Er gehört schon zu den Fixsternen der Weltliteratur, er darf es sich erlauben, seine Meisterstücke in das weiche Bett von Etüden zu setzen, wo sie vielleicht auch erst richtig glänzen können. Es ist die gelassene und stille Autorität eines Erzählens mit großem Herzen und genauem Gefühl, das diesen Autor auszeichnet.“
[Insa Wilke, Süddeutsche Zeitung]

BIBLIOGRAPHIE:
„8 Minuten und 19 Sekunden“, Droschl Literaturverlag: Graz, 2016, ISBN: 978-3-85420-948-5, 19,00 Euro.
„Physik der Schwermut“, Droschl Literaturverlag: Graz, 2014, ISBN: 978-3-85420-849-5, 23,00 Euro.
„Kleines morgendliches Verbrechen. Gedichte“, Droschl Literaturverlag: Graz, 2010, ISBN: 978-3-85420-767-2, 18,00 Euro.
„Natürlicher Roman“, Droschl Literaturverlag: Graz, 2007, ISBN: 978-3-85420-728-3, 19,00 Euro.
„Gaustín oder Der Mensch mit den vielen Namen“. Wieser Verlag: Klagenfurt, 2004, ISBN: 3-85129-478-5, 14,80 Euro.
„Bulgaria“. Austrian Art Lounge, Bd. 2, hrsg. hrsg. v. Lojze Wieser und Ernst Hilger, Wieser, Klagenfurt 2007, ISBN: 978-3-85129-671-6, 5,00 Euro.

Joumana Haddad

präsentiert ihr Buch Wie ich Scheherazade tötete. Bekenntnisse einer zornigen arabischen Frau [2010].

Von 2014 bis 2016 wurde Joumana Haddad vom Wirtschaftsmagazin Arabian Business für ihre kulturellen und sozialen Aktivitäten zu den 100 mächtigsten Frauen in der arabischen Welt gewählt. Dabei ist sie eine der größten Kritikerinnen eben dieser Welt. Sie empört sich vor allem gegen den religiösen Extremismus, der die Hauptursache aller Probleme im politischen wie im privaten Leben der Menschen darstellt. Als Schriftstellerin, Lyrikerin und Journalistin setzt sie sich vornehmlich mit den Themen Sexualität, Religion und Körper auseinander. Für sie sind es hauptsächlich die sexuellen Tabus, die immense Spannungen und Frustrationen im Zusammenleben zwischen Mann und Frau hervorbringen und ein normales Miteinanderleben in der Gesellschaft unmöglich machen. Im Gespräch mit dem Internetprotal Qantara.de - Dialog mit der islamischen Welt formulierte Haddad eine Botschaft, die sie auch mit ihrem offenen, biografischen Buch Wie ich Scheherazade tötete ausdrücken wollte: „Ich glaube an die Solidarität zwischen Menschen. Ich glaube, dass Männer und Frauen gemeinsam für eine würdevollere Welt kämpfen sollten.“ Und: „Bevor man die andere Person ändert, hat man die Verantwortung, sich selbst zu ändern.“ Bereits 2010 erschienen, hat ihr Buch nichts an Aktualität verloren, weil mutige Fürsprachen, die sich zur Eigenständigkeit und Selbstbestimmung jedes Einzelnen bekennen, heute wieder notwendiger sind denn je. Joumana Haddad versteht sich in erster Linie als Dichterin. Der Literatur gesteht sie im Kampf für individuelle Autonomie und gesellschaftliche Freiheit eine besondere Rolle zu, denn Literatur besitzt die Fähigkeit, „uns zu befreien und zu bereichern, egal ob wir bereit sind für das, was die Literatur uns anbietet.“
1970 in Beirut geboren, wuchs Joumana Haddad in einem streng katholischen Elternhaus auf. Eine Befreiung von der traditionsorientierten Erziehung und von den Erschütterungen des libanesischen Bürgerkriegs, der ihre Kindheit und Jugend prägte, fand sie in der riesigen Bibliothek ihres Vaters. Heute leitet sie das Feuilleton der größten und wichtigsten libanesischen Tageszeitung An-Nahar. Daneben lehrt sie Italienisch und Spanisch an der Libanesisch-Amerikanischen Universität in Beirut, wo sie mit ihren beiden Söhnen lebt.

„Der Stolz, eine freie, hochgebildete, weitgereiste und dabei zugleich modebewusste und lebenslustige Frau zu sein, dieser Stolz schwingt durch jede Zeile und versieht das Buch mit einem Optimismus, der auch vor den Schilderungen einer schmerzhaften Kindheit im libanesischen Bürgerkrieg (…) nicht verblasst. Es ist ein Optimismus, der vom unerschütterlichen Glauben an die Freiheit des Einzelnen lebt, sein Schicksal selbst zu wählen.“
[Stefan Weidner, Frankfurter Allgemeine Zeitung]

BIBLIOGRAPHIE:

„Wie ich Scheherazade tötete. Bekenntnis einer zornigen arabischen Frau“, Hans Schiler: Berlin, 2010, ISBN: 978-3-89930-307-0, 18,00 Euro.
„Liliths Wiederkehr“. Hans Schiler: Berlin, 2008, ISBN: 9783899302080, 16,00 Euro.
„Damit ich abreisen kann“, Lisan: Basel, 2006, ISBN: 978-3-9522952-3-6, 10,00 Euro.

Rasha Khayat

stellt ihren Roman Weil wir längst woanders sind [2016] vor.

„Ich möchte ein Fenster öffnen in eine Welt, die offenbar vielen Menschen noch Rätsel aufgibt. Ich glaube, dass Humor dabei eine wichtige Rolle spielt, weshalb ich oft versuche, die Absurditäten beider Welten einander gegenüber zu stellen“, erzählte Rasha Khayat in einem Gespräch nach Erscheinen ihres Debütromans. Bereits der Titel Weil wir längst woanders sind weist auf das zentrale Thema des Romans hin: Es geht um die Bewegung von Menschen, die zwischen zwei Kulturen stehen. Khayat erzählt die Geschichte von Basil und Layla, eines Geschwisterpaares, das sich untrennbar zusammengehörig fühlt. Als Layla die Entscheidung trifft, einen Mann aus ihrer alten Heimat Saudi-Arabien zu heiraten und zurück in ihr Ursprungsland zu ziehen, verändert sich einiges. Zur Hochzeit seiner Schwester reist Basil nach Saudi-Arabien. Er will die Nähe seiner Schwester spüren und verstehen, weshalb diese nicht-religiöse, freiheitsliebende junge Frau sich für das Leben in einem Land entschieden hat, in dem Frauen alles andere als frei sind. Dabei muss Basil sich selbst mit seiner Vergangenheit und mit seinem Gefühl des Hin-und Hergeworfenseins zwischen zwei Welten auseinandersetzen. Das fällt weder ihm, noch den Lesern des Romans leicht. Aber als Schriftstellerin glaubt Khayat fest an die Macht von Literatur und Kunst, die darin besteht, die Empathie des Lesers anzusprechen: „Die Welt ist nicht schwarz-weiß, selbst dann nicht, wenn es um arabische Länder geht. Ich sehe meine Aufgabe als Autorin darin, dem Leser eine möglichst wertfreie Grundsituation anzubieten, damit er selbst entscheiden kann, welche Position er besser verstehen, wem er sich näher fühlen möchte.“ Um jedoch eigenständig eine Entscheidung treffen zu können, braucht es geistige Bewegungsfreiheit. Diese ist vielleicht die einzig wahre Verortung des Individuums, oder, wie es ein arabisches Sprichwort im Roman ausdrückt: „Haraka Baraka“ – „Bewegen heißt Segen“!
Rasha Khayat wurde 1978 als Tochter einer deutschen Mutter und eines saudiarabischen Vaters in Dortmund geboren. Bis zum Alter von 11 Jahren wuchs sie in Dschiddah, Saudi-Arabien, auf. Dann siedelte die Familie nach Deutschland zurück. Khayat studierte Literaturwissenschaften, Germanistik und Philosophie in Bonn. Seit 2005 lebt sie in Hamburg, wo sie als freie Autorin, Übersetzerin aus dem Englischen und Arabischen und als Lektorin arbeitet. Seit dem Jahr 2010 betreibt sie ihren Blog West-Östliche Diva. Das deutsche Fenster zu Arabistan.

“Ihr gradlinig erzählter Roman unternimmt den Versuch, Vorurteilen die Schwere zu nehmen und gleichzeitig die uneingeschränkte Selbstbejahung des Westens zu relativieren. Das kann derzeit nicht schaden.“ [Christoph Schröder, DIE ZEIT]

BIBLIOGRAPHIE:
„Weil wir längst woanders sind“, DuMont Buchverlag: Köln, 2016, ISBN: 978-3-8321-9814-5 / 19,99 Euro.

Holger Ehling

Übersetzer, Herausgeber, Autor, Berater

Holger Ehling, 1961 in Bad Hersfeld geboren, studierte Anglistik, Germanistik und Philosophie in Göttingen. Anfang der 80er Jahre begann er, sich intensiv mit der zeitgenössischen Literatur Afrikas und der Karibik auseinanderzusetzen. Nach einem Volontariat an der Hamburger Journalistenschule arbeitete Ehling zu Beginn der 90er Jahre einige Zeit als freier Korrespondent vor allem in Afrika. Er gehörte zu den ersten Journalisten, die ausführlich über die wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Folgen der Erdölproduktion im Nigerdelta berichteten. Es entstand eine enge persönliche Beziehung zu dem Schriftsteller und Umweltaktivisten Ken Saro-Wiwa, der 1995 vom nigerianischen Militärregime hingerichtet wurde.
Ab 1994 begann Ehling für die Frankfurter Buchmesse zu arbeiten, zunächst als Pressesprecher, dann als Leiter der Unternehmenskommunikation und kurze Zeit auch als deren stellvertretender Direktor.
Seit 2006 betreibt er eine Agentur, die als Dienstleister für Kulturveranstaltungen ebenso tätig ist wie in der Strategieberatung für Verlage und internationale Buchmessen. Von September 2006 bis Juni 2009 führte er im Literaturhaus Frankfurt die "Frankfurter Verlegergespräche" durch. Seit 2008 arbeitet Ehling wieder verstärkt als Autor.

BIBLIOGRAPHIE (AUSWAHL):
„Reise nach London: Geschichten fürs Handgepäck“; Unionsverlag: Zürich, 2011; ISBN 3-293-20512-7.
„England, glorious England“; Ch. Links Verlag: Berlin, 2011; 2. Auflage; ISBN 978-3-86153-547-8.
Jojo Cobbinah/Holger Ehling: „Westafrikanisch kochen“; Verlag Die Werkstatt: Göttingen, 2005; 2. Auflage; ISBN 978-3-89533-215-9; 16,90 Euro.
„Finding England. An Ausländer's Guide to Perfidious Albion“; The Armchair Traveller at Bookhaus: London, 2012, ISBN 978-1-907973-24-6.
Holger Ehling/Jörg Harraschain: „Nordend“; Societäts-Verlag: Frankfurt am Main, 2011; ISBN 978-3-942921-07-7.

Raoul Schrott

stellt hierbei sein neues Buch Erste Erde. Epos [2016] erstmals vor.

Raoul Schrotts neues Buch Erste Erde. Epos ist das Ergebnis einer intensiven Auseinandersetzung mit unserem heutigen Wissen über die Welt. Schrott unternimmt darin Schrott den Versuch, vorliegende wissenschaftliche Erkenntnisse in epischer Form umzusetzen und sie anhand einzelner Figuren und deren Biographie anschaulich zu machen. So entstehen dramatische Monologe, gewissermaßen Kurzromane, die jeweils ein Wissensgebiet streifen, um es in eine Lebensgeschichte einzubinden und dadurch insgesamt ein erzählerisches Panorama unseres Kosmos vom Urknall über die Entstehung des Planeten bis hin zu uns zu erschaffen. Daraus ergeben sich grundlegende Fragestellungen, die die Menschen zu allen Zeiten beschäftigt haben:

Was hat unser heutiges Wissen mit unserem Leben zu tun?Welches Bild vom Menschen geht daraus hervor?Was bedeutet es für unsere Existenz?Wie stehen Naturwissenschaften und Poesie zueinander?

Um Antworten darauf zu finden, hat Raoul Schrott weltweit Reisen an jene Orte unternommen, an denen die Stationen der Weltgeschichte offenbar werden: in die Atacamawüste, wo gerade das weltweit größte Spiegelteleskop gebaut wird oder zum ältesten Gestein der Erde in der Arktis. Er tauchte im Atlantik zu „Weißen Rauchern“, in denen wahrscheinlich das Leben entstand, reiste an die Fundorte von Hominiden oder besichtigte steinzeitliche Höhlenmalereien. Mithilfe der Verknüpfung von Dichtung und Wahrheit wagt Schrott im letzten Teil seines Buches dann den Versuch, ein modernes Gegenstück zu Alexander von Humboldts Kosmos zu entwerfen.
Raoul Schrott, geboren 1964, wuchs in Tunis und Landeck/Österreich auf. Er studierte Literatur und Sprachwissenschaft. Unter seinen vielen Veröffentlichungen befinden sich neben Romanen und Lyrikbänden auch Übersetzungen, Essay und Anthologien. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen für sein Werk und ist seit 2002 Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung.

„Nie zuvor gab es so viel an Wissen über den Menschen und das Universum – doch je mehr Daten und Details angehäuft werden, desto weniger verstehen wir im Grunde. Wir wissen zwar, dass die alten Mythen nicht mehr stimmig sind – eine andere Geschichte, die uns und die Welt erklärt, gibt es jedoch nicht.“ [Raoul Schrott]

BIBLIOGRAPHIE (AUSWAHL):
„Erste Erde. Epos“, Carl Hanser Verlag: München, (ET: 26.09.2016; für die „Poetischen Quellen“ gibt es bereits Exemplare) , ISBN: 978-3-446-25282-0, 58,00 Euro.
„Die Kunst an nichts zu glauben. Gedichte“. Carl Hanser Verlag: München, 2015, ISBN: 978-3-446-24965-3, 17,90 Euro.
„Hesiod: Theogonie“. Carl Hanser Verlag: München, 2014, ISBN: 978-3-446-24615-7, 19,90 Euro.
„Das schweigende Kind. Erzählung“, Carl Hanser Verlag: München, 2012, ISBN: 978-3-446-23864-0, 17,90 Euro.
„Gehirn und Gedicht. Wie wir unsere Wirklichkeit konstruieren“, Carl Hanser Verlag: München, 2011, ISBN: 978-3-446-23656-1, 30,00 Euro. (mit Arthur Jacobs)
„Die Blüte des nackten Körpers. Liebesgedichte aus dem Alten Ägypten“, Übertragen. Carl Hanser Verlag: München, 2010, ISBN: 978-3-446-23485-7, 16,90 Euro.
„Homers Heimat. Der Kampf um Troia und seine realen Hintergründe“, Carl Hanser Verlag: München, 2008. ISBN: 978-3-446-23023-1, 24,90 Euro.
„Ilias“. Neu übertragen. Carl Hanser Verlag: München, 2008, ISBN: 978-3-446-23046-0, 40,00 Euro.
„Die fünfte Welt. Ein Logbuch“, Haymon Verlag: Innsbruck, 2007, ISBN: 978-3-85218-524-8, 17,90 Euro.
„N. C. Kaser elementar. Ein Leben in Texten und Briefen“, Haymon, Innsbruck 2007, ISBN: 978-3-85218-532-3, 16,90 Euro.
„Handbuch der Wolkenputzerei. Gesammelte Essays“, Carl Hanser Verlag: München, 2005, ISBN: 3-446-20576-4, 19,90 Euro.
„Der wölfische Hunger. Über das Alter der Jugend“, Gollenstein, Blieskastel 2004, ISBN: 3-935731-77-9, 43,50 Euro.„Weissbuch“, Carl Hanser Verlag: München, 2004. ISBN: 3-446-20540-3, 17,90 Euro.
„Tristan da Cunha oder Die Hälfte der Erde“, Carl Hanser Verlag: München, 2003, ISBN: 3-446-20355-9, 25,90 Euro.
„Khamsin“. Fischer, Frankfurt a. M. 2002, ISBN: 3-10-073540-4. (Enth. außerdem: Die Namen der Wüste.) 10,00 Euro.
„Das Geschlecht der Engel, der Himmel der Heiligen: ein Brevier“, Carl Hanser Verlag: München, 2001, ISBN: 3-446-20020-7, 23,50 Euro.
„Gilgamesh Epos“. Fischer, Frankfurt a. M. 2001, ISBN: 3-596-15703-X, 12,95 Euro.
„Die Wüste Lop Nor“. Carl Hanser Verlag: München, 2000, ISBN: 3-446-19921-7, 13,90 Euro.
„Die Musen“. dtv, München 2000, ISBN: 3-423-12788-0, kein Preis verfügbar.
„Bakchen. Nach Euripides“, Carl Hanser Verlag: München, 1999, ISBN: 3-446-19811-3, 13,90 Euro.
„Die Erde ist blau wie eine Orange. Polemisches, Poetisches, Privates“, dtv, München 1999, ISBN: 3-423-12704-X, kein Preis verfügbar.
„Tropen. Über das Erhabene“, Carl Hanser Verlag: München, 1998, ISBN: 3-446-19502-5, 9,95 Euro.
„Fragmente einer Sprache der Dichtung“, Droschl Literaturverlag: Graz, 1997, ISBN: 3-85420-471-X, 19,00 Euro.„Palazzo Passionei“, Haymon Verlag: Innsbruck, 1996, ISBN: 978-3-85218-215-5, 19,90 Euro. (mit Christine Ljubanovic)
„Finis Terrae. Ein Nachlass“, Haymon Verlag: Innsbruck, 1995, ISBN: 3-85218-197-6, 22,00 Euro.
„Hotels“, Haymon Verlag: Innsbruck, 1995, ISBN: 3-85218-193-3, 19,99 Euro.
„Ludwig Höhnel. Totenheft“, Haymon Verlag: Innsbruck, 1994, ISBN: 978-3-85218-184-4, 12,90 Euro.
„Sub Rosa“, Haymon Verlag: Innsbruck, 1993, ISBN: 3-85218-126-7, 39,90 Euro.
„Dada 15/25“, Haymon Verlag: Innsbruck, 1992. ISBN: 3-85218-117-8, 64,00 Euro.
„Die Legenden vom Tod“. Haymon Verlag: Innsbruck, 1990. ISBN: 3-85218-079-1, 39,00 Euro.
„Dada 21/22. Musikalische Fischsuppe mit Reiseeindrücken. Eine Dokumentation über die beiden Dadajahre in Tirol“, Haymon Verlag: Innsbruck, 1988. ISBN: 3-85218-037-6, 64,00 Euro.

Hendrik Milting

Molekularbiologe am Herz- und Diabeteszentrum NRW in Bad Oeynhausen

Hendrik Milting, geboren 1961, ist seit 1999 Leiter des Forschungslabors der Klinik für Thorax- und Kardiovaskularchirurgie und seit 2004 Institutsleiter des Erich und Hanna Klessmann-Instituts für Kardiovaskuläre Forschung und Entwicklung am Herz- und Diabeteszentrum NRW in Bad Oeynhausen.
Nach seiner Promotion an der Ruhr-Universität Bochum 1994 leitete Milting zunächst vier Jahre lang die Forschung der Klinik für Herz- und Thoraxchirurgie an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, bevor er nach Bad Oeynhausen wechselte. 2005 folgte die Ernennung zum Privatdozenten für das Fach Biochemie an der Ruhr-Universität Bochum.Hendrik Milting ist Mitglied nationaler und internationaler wissenschaftlicher Gesellschaften der Herz-Kreislaufforschung, Kardiologie, Stammzellforschung und Herztransplantation und forscht auf den Gebieten der Biochemie von Herzmuskelerkrankungen, den Auswirkungen der mechanischen Kreislaufentlastung mittels „Kunstherz“ und in verschiedenen Bereichen der Herztransplantationsmedizin.

Josef M. Gaßner

Astrophysiker

Josef M. Gaßner, geboren 1966, studierte Mathematik, anschließend Physik und promovierte 2008 an der Münchener Ludwig-Maximilians-Universität in theoretischer Astrophysik. Er ist Mitarbeiter der Universitätssternwarte München und Lehrbeauftragter der Hochschule Landshut für Astronomie und Kosmologie. Neben seinen Forschungen an der Universitätssternwarte München versucht er in seinen Publikationen und durch populärwissenschaftliche Vorträge einem breiten Publikum komplizierte astrophysikalische Zusammenhänge zu vermitteln.
Er ist Mitglied in dem Team der Fernsehsendung Urknall, Weltall und das Leben (www.urknall-weltall-leben.de) und durch gemeinsame Fernsehauftritte mit Harald Lesch bekannt. 2014 veröffentlichten beide zusammen das Buch Urknall, Weltall und das Leben. Vom Nichts bis heute morgen.
Völlig unabhängig von physikylisch-kosmischen Themenstellungen hat Gaßner die Hilfsorganisation Schritt für Schritt – Hilfe mit System e.V. mit ins Leben gerufen.

„Für mich ist das größte Rätsel in diesem Universum das Leben, die Fragestellung: Wie konnte sich tote Materie in irgendeiner Weise so selbst organisieren und anfangen, nicht mehr nur in einer Lösung dumm herumzudümpeln, sondern einen Willen zu entwickeln, auszuweichen und überleben zu wollen?“ [Josef Gaßner]

BIBLIOGRAPHIE (AUSWAHL):
„Urknall, Weltall und das Leben – Vom Nichts bis heute Morgen“, Komplett-Media, Grünwald/München 2016⊃2;, ISBN 978-3-831203-89-5, 29,95 Euro. (mit Harald Lesch)
„Urknall, Weltall und das Leben – Vom Nichts bis heute Morgen“, Komplett-Media, Grünwald/München 2015, 4 DVDs, 555 min., ISBN: 978-3-8312-8171-8, 45,00 Euro. (mit Harald Lesch)
„Urknall, Weltall und das Leben“. Hörbuch auf 4 CDs, 270 Min., 19,95 Euro.
„Das Weltraumteleskop Hubble - der tiefe Blick ins Weltall“, DVD, 110 Min., 17,75 Euro.
„Warum ist überhaupt etwas und nicht vielmehr nichts? Ansätze und Perspektiven der Physik und Kosmologie“. in: Warum ist überhaupt etwas und nicht vielmehr nichts? Wandel und Variationen einer Frage, hrsg. v. Daniel Schubbe, Jens Lemanski und Rico Hauswald, Meiner, Hamburg 2013, ISBN 978-3-787324-59-0, S. 339–364. 36,00 Euro. (mit Harald Lesch und Jörn Müller)

Harald Welzer

Bücher u.a.: Selbstdenken. Eine Anleitung zum Widerstand [2013], Die smarte Diktatur. Der Angriff auf unsere Freiheit [2016]

In seinem neuem Buch Die smarte Diktatur. Der Angriff auf unsere Freiheit äußert Harald Welzer die Besorgnis, dass mit der zunehmenden Digitalisierung der Gesellschaft ein neuer Diktaturtypus heranwächst, der unser demokratisches Gesellschaftssystem unterhöhlt, weil er die Privatsphäre der Bürger zerstört. „Wir verlieren gerade jede Privatheit. Die ist aber die zentrale Voraussetzung für Demokratie. Und Freiheit“, sagte Welzer in einem Gespräch mit der Zeitschrift zeozwei. Das Unverständlichste an diesem Vorgang sei es, dass sich die Bürger dieser Entwicklung freiwillig ausliefern und die wesentliche Voraussetzung dieses neuen Unterdrückungsgeschäfts selbst erfüllen, indem sie einen Großteil ihrer privaten Daten an die entscheidenden Unternehmen im kalifornischen Silicon-Valley liefern. Das gefährliche an dieser neuen Diktatur besteht in ihrer einvernehmlichen Zustimmung zur neoliberalistischen Wirtschaftsform, die auf ständigem Wachstum und ständigem Konsum von Dienstleistungen und Produkten beruht. Um diese zu steuern, sind Daten die Währung der Machthaber der Zukunft. Wie sehr dabei die Digitalisierung, die einen enormen Energie- und Ressourcenverbrauch aufweist, nicht getrennt betrachtet werden kann vom Klimawandel, den Flüchtlingsbewegungen, dem Landraub, der Finanzmarktkrise und der wachsenden sozialen Ungleichheit, beschreibt Welzer in seinem Buch. Das irritierende für ihn ist die Tatsache, dass keine Partei diese Zusammenhänge und damit das demokratiezerstörende Potenzial dieses digitalen Totalitarismus, der auf der Berechenbarkeit des Menschen durch Algorithmen beruht, thematisiert, sondern stattdessen immer nur um den Datenschutz bemüht ist: „Alle ergötzen sich an irgendwas mit 4.0. Weil sie nicht verstehen, womit sie es zu tun haben. Übrigens auch aufgrund des Fehlens von politisch-historischer Bildung“, sagt Welzer überzeugt.
Harald Welzer, 1958 nahe Hannover geboren, studierte Soziologie, Politische Wissenschaft und Literatur an der Universität Hannover, promovierte in Soziologie und habilitierte in Sozialpsychologie. Er ist Professor für Transformationsdesign an der Universität Flensburg und Mitbegründer der gemeinnützigen Stiftung Futurzwei. Stiftung Zukunftsfähigkeit, die alternative Lebensstile und Wirtschaftsformen aufzeigt und „ihre Mittel für das Projekt einer zukunftsfähigen, enkeltauglichen Gesellschaft einsetzt“.

„Was Harald Welzers Bücher dabei immer wieder auszeichnet ist die Tatsache, dass es ihm gelingt, den Lesern trotz der teils deprimierenden Fakten die Einsicht zu vermitteln, dass die Verhältnisse veränderbar sind und es gelingen kann, aus der Passivität des nur noch Konsumierenden auszubrechen.“ [Eckard Föhr, re-visionen.net]

BIBLIOGRAPHIE (AUSWAHL):
„Die smarte Diktatur. Der Angriff auf unsere Freiheit“, S. Fischer Verlag: Frankfurt a. M., 2016, ISBN: 978-3-10-002491-6, 19,99 Euro.
„Autonomie. Eine Verteidigung“, S. Fischer Verlag: Frankfurt a. M., 2015, ISBN: 978-3-10-002250-9, 19,99 Euro. (mit Michael Pauen)
„FUTURZWEI Zukunftsalmanach 2015/16“. S. Fischer Verlag: Frankfurt a. M., 2014, ISBN: 978-3-596-03049-1, 16,99 Euro. (mit Dana Giesecke und Luise Tremel)
„Transformationsdesign. Wege in eine zukunftsfähige Moderne“, oekom, München 2014, ISBN: 978-3-86581-662-7, 19,95 Euro. (mit Bernd Sommer)
„Selbst denken. Eine Anleitung zum Widerstand“, S. Fischer Verlag: Frankfurt a. M., 2013, ISBN: 978-3-10-089435-9, 19,99 Euro.
„Der FUTURZWEI-Zukunftsalmanach 2013: Geschichten vom guten Umgang mit der Welt“, S. Fischer Verlag: Frankfurt a. M., 2012, ISBN: 978-3-596-19420-9, kein Preis verfügbar. (mit Stefan Rammler)
„Das Ende der Welt, wie wir sie kannten. Klima, Zukunft und die Chancen der Demokratie“, S. Fischer Verlag: Frankfurt a. M., 2011, ISBN: 978-3-596-18518-4, 9,95 Euro. (mit Claus Leggewie ) (Sachbuch)

Alexander Pschera

Bücher u.a.: 800 Millionen. Apologie der sozialen Medien [2011], Das Internet der Tiere. Der neue Dialog zwischen Mensch und Natur [2014]

„Die Großstadt war die radikale Erfahrung des Menschen des 20. Jahrhunderts. Die sozialen Medien sind die radikale Erfahrung des Menschen des 21. Jahrhunderts“, schreibt Alexander Pschera in seinem Essayband 800 Millionen. Pschera sieht sich jedoch nicht in der Rolle der anti-digitalen Bedenkenträger, denen er aufgrund ihres vereinfachenden, selbstinszenierten und verschwörungstheoretisch aufgeblähten Widerstands gegen die technologischen und digitalen Fortschritte ein konservatives Denken vorwirft, weil sie jegliche Neugier und jedwedes Staunen über Veränderungen im privaten wie im öffentlichen Raum der Gesellschaft aufgegeben hätten, die maßgeblich auf die Entwicklungen der Akteure der IT- und High-Tech-Industrie im Silicon-Valley zurückzuführen sind. „Neugierig zu sein und zu bleiben ist aber der Motor der Erkenntnis und gesellschaftlicher Entwicklung“, schreibt Pschera im Cicero. „Es ist der erklärte Auftrag der Aufklärung, neue Technologien zu nutzen und sozial zu strukturieren, um sie in den Dienst der Neugierde zu stellen. Das Netz ist eine Maschine des Staunens. Und als solches sollte es gesehen und diskutiert werden.“ Andererseits erkennt er das Problem, dass die Digitalisierung mit einer derartigen Beschleunigung über die Wirklichkeit hereinbricht, dass „moralische Koordinatensysteme und gesetzliche Rahmenwerke“ nicht mehr hinterher kommen können. An diesem Punkt stellt sich die Frage, wie wir „Privatsphäre“ zukünftig definieren wollen und ob wir auch ohne sie selbstbestimmt und frei leben können. Bei der Beantwortung dieser Frage setzt Pschera auf die Vitalität der Kommunikation in den sozialen Medien, die nur dann funktioniert, wenn die Menschen als Subjekte darin agieren und sich dabei nicht als Opfer kapitalistischer Machenschaften verstehen.
Alexander Pschera wurde 1964 in Heidelberg geboren. Hier studierte er Germanistik, Philosophie und Musikwissenschaft und promovierte mit einer Arbeit über Eduard Mörike. Lange Zeit arbeitete er als Journalist. Heute ist er Geschäftsführer einer Münchener Kommunikationsberatungsfirma, freier Autor und Blogger. In seinen Arbeiten beschäftigt er sich u.a. mit den Auswirkungen der Digitalisierung auf die Gesellschaft und Arbeitswelt, das Privatleben und die Kultur. Regelmäßig schreibt er für das Magazin Cicero. An der Katholischen Akademie Bayern in München unterhält er zudem eine eigene Veranstaltungsreihe unter dem Titel „Digitaler Salon“.

„Das Potential zur Entfaltung der Persönlichkeit in der realen Welt aufzuzeigen, ist die Intention des Buches, das sich damit von der großen Anzahl an kritischen Ansichten zu den sozialen Medien abgrenzt.“ [Jan Achim Richter über „800 Millionen“ im Portal für Politikwissenschaft]

BIBLIOGRAPHIE (AUSWAHL):
„Das Internet der Tiere. Der neue Dialog zwischen Mensch und Natur“, Matthes & Seitz Berlin: Berlin, 2014, ISBN 978-3-95757-014-7, 19,00 Euro.
„Vom Schweben. Romantik im Digitalen“, Matthes & Seitz Berlin: Berlin, 2013, ISBN: 978-3-88221-170-2, 10,00 Euro.
„800 Millionen. Apologie der sozialen Medien“, Matthes & Seitz Berlin: Berlin, 2011, ISBN: 978-3-88221-578-6, 10,00 Euro.
„Bunter Staub. Ernst Jünger im Gegenlicht“, Matthes & Seitz Berlin: Berlin, 2008, ISBN: 978-3-88221-725-4 / 19,80 Euro.
„Vom Schweben. Romantik im Digitalen“, Hörbuch, 2 CD, 130 Min., Berlin 2014, ISBN: 978-3-940018-12-0, 15,00 Euro.
„Entweltlichte Kommunikation“. Adamas Verlag, Köln 2012, ISBN: k. A., 5,00 Euro.
„Jünger und Frankreich – eine gefährliche Begegnung? Ein Pariser Gespräch“, Matthes & Seitz, Berlin 2012, ISBN: 978-3-88221-538-0, 19,90 Euro. (mit Julien Hervier)
„Léon Bloy. Pilger des Absoluten“, Edition Antaios, o. O. 2006, ISBN: 3-935063-08-3, 12,00 Euro.

Stefan Selke

Bücher u.a.: Lifelogging. Wie die digitale Selbstvermessung unsere Gesellschaft verändert [2014], Schamland. Die Armut mitten unter uns [2013]

Die Vermessung und Auswertung unseres Lebens scheint in allen Bereichen einen immer größeren Aspekt unserer privaten wie auch gesellschaftlichen Lebenswirklichkeit auszumachen.
In seinem wichtigen Buch mit dem Titel Lifelogging weist der Soziologe Stefan Selke auf die immensen Probleme hin, die die digitale Selbstvermessung und Protokollierung des Lebens auch jetzt schon verursacht. Die größte Gefahr geht für ihn von dem Grundgedanken aus, auf dem diese rein rechnerische Aufzeichnung des Lebens basiert: Sie geht von einem „fehlerhaften“, also ungenügenden Menschen aus, der, weil er nicht perfekt funktioniert, ein Problem darstellt, dem nur mit einer technisch-pragmatischen Lösung beizukommen ist, eben durch Lifelogging. Darunter werden die unterschiedlichen Möglichkeiten der digitalen Erfassung, Speicherung und Auswertung von Lebensdaten und Verhaltensspuren verstanden, die die sog. „digitale Aura“ eines Menschen umfassen und mithilfe derer individuelle Daten über Gesundheit, sportliche Aktivitäten, Aufenthaltsorte, Leistungsfähigkeit und auch Gefühle gesammelt, zusammengefasst und vereinheitlicht, d.h. quantifiziert werden können. „Es schleicht sich ein effizienzorientiertes, ökonomisches Denken ein, denn die Vermessung ist eine Logik, die aus der Verhaltensökonomie und aus dem Management kommt. Das ist etwas völlig anderes als eine humanistische oder qualitative Einstellung zum Leben“, sagt Selke, der außerdem befürchtet, dass daraus „so etwas wie ethische Freihandelszonen“ entstehen. Die Frage ist, inwieweit wir es selbst zulassen, dass wir uns immer weiter smarten Entscheidungsalgorithmen unterwerfen, die Subjektivität mit Leistung gleichsetzen und das soziale Wesen Mensch mit seinem eigenständigen, kritischen Denken als normfremdes Produkt einstufen.
Stefan Selke wurde 1967 im badischen Rheinfelden geboren. Er studierte zunächst Luft- und Raumfahrttechnik in Aachen, lebte anschließend zwei Jahre in Brasilien, um dann von 1993 bis 1998 Soziologie, Philosophie, Anthropo-Geografie und portugiesische Sprach- und Literaturwissenschaften in Bonn zu studieren. Seit 2008 ist an der Hochschule Furtwangen Professor mit dem Lehrgebiet Soziologie und gesellschaftlicher Wandel. Hier beschäftigt er sich besonders mit den schleichenden Auswirkungen, die die Digitalisierung der Gesellschaft auf die Kultur und Lebenswelt des Menschen mit sich bringt.

„Lifelogging führt, davon ist Stefan Selke überzeugt, langfristig zu einer entfremdeten, unmenschlichen Welt. Was wir dagegen tun können? Anders Daten sammeln, mehr Sorgfalt aufwenden, auf gesteigerte Handlungsfähigkeit achten. Doch die Skepsis des Soziologen ist groß: `Es wird am Ende darauf ankommen, ob wir die Welt nur zählen oder erzählen.`“
[Antje Korsmeier, Handelsblatt]

BIBLIOGRAPHIE (AUSWAHL):
„Lifelogging. Wie die digitale Selbstvermessung unsere Gesellschaft verändert“, Econ Verlag: Berlin, 2014, ISBN: ISBN: 978-3-43020-167-4 / 19,99 Euro.
„Schamland. Die Armut mitten unter uns“, UllsteinVerlag: Berlin, 2015 (Taschenbuch), ISBN: 978-3-54837-550-2 / 9,99 Euro.
„Kritik der Tafeln in Deutschland: Standortbestimmungen zu einem ambivalenten sozialen Phänomen“, VS Verlag: Wiesbaden 2011, ISBN: 978-3-531-17354-2, 39,99 Euro.
„Postmediale Wirklichkeiten aus interdisziplinärer Perspektive. Neue Beiträge zur Zukunft der Medien“, Heise, Hannover 2010, ISBN 978-3-93693-168-6, 19,99 Euro. (mit Ulrich Dittler)
„Tafeln in Deutschland. Aspekte einer sozialen Bewegung zwischen Nahrungsmittelumverteilung und Armutsintervention“, VS, Wiesbaden 2009. ISBN: 978-353116-139-6, kein Preis verfügbar.
„Postmediale Wirklichkeiten. Wie Zukunftsmedien die Gesellschaft verändern“, Heise, Hannover 2009, ISBN: 978-393693-163-1, 19,00 Euro. (mit Ulrich Dittler)
„Fast ganz unten. Wie man in Deutschland durch die Hilfe von Lebensmitteltafeln satt wird“, Westfälisches Dampfboot, Münster 2009;, ISBN: 978-3-89691-754-6, 19,90 Euro.

Lot Vekemans

stellt ihren Roman Ein Brautkleid aus Warschau [2016] vor.

Die niederländische Schriftstellerin Lot Vekemans war im deutschsprachigen Raum bisher vor allem als Theaterautorin bekannt. Ihre Stücke wurden sehr erfolgreich an mehr als 30 Bühnen von Aachen bis Zürich aufgeführt, zuletzt ihr Stück Gift am Deutschen Theater in Berlin mit Ulrich Matthes in einer der Hauptrollen. In diesem Frühjahr nun hat der Göttinger Wallstein Verlag Vekemans ersten Roman Ein Brautkleid aus Warschau veröffentlicht. In einem Gespräch mit dem WDR verriet die Autorin, dass dieser Roman ursprünglich „aus einem gescheitertem Theaterstück“ hervorgegangen ist. Erzählt werden die Geschichten von der jungen Polin Marlena, dem niederländischen Bauern Andries und dem polnisch-jüdischen Hotelbesitzer Szymon, die Lot Vekemans wie in einem kunstvoll gemaltem Triptychon miteinander in Beziehung setzt. In ihrer Rede zum Ludwig Mühlheim Theaterpreis, der ihr ebenfalls im Frühjahr verliehen wurde, sagte Vekemans folgendes: „Ich glaube an Menschen. Ich glaube, dass jede Form von Obrigkeit zur Unterdrückung führt. Ich glaube, dass wir unserem Leben selbst Bedeutung und Sinn geben müssen.“ Wie schwer gerade Letzteres ist, erzählt sie spannungsgeladen in ihrem Roman, in dem alle Figuren natürlich ein eigenes Schicksal haben, gleichzeitig aber immer auch das Schicksal für die anderen sind. Zu der natürlichen Verkettung zwischenmenschlicher Beziehungen, die mit der Tragik oder dem Glück stets beide Möglichkeiten in sich bergen, kommt durch das Erlebte und Erinnerte immer auch die Erfahrung der Zeit mit ins Spiel. Für Vekemans ist dies kein Grund zum Verzweifeln, sondern vielmehr Aufforderung, sehr bewusst zu leben. Deshalb finden sich zwischen der Erzählung großer tragischer Gefühle immer wieder Momente des Lächelns in ihrem Roman.
Lot Vekemans wurde 1965 im niederländischen Oss geboren. Sie studierte Soziale Geographie an der Universität in Utrecht. Aufgrund ihrer lebenslangen Leidenschaft für das Schreiben und für das Theater ging sie nach ihrem Studium an die Schriftsteller-Akademie Colofon in Amsterdam. Seit 1995 schreibt sie Theaterstücke, die inzwischen in mehr als fünfzehn Sprachen übersetzt und vielfach preisgekrönt wurden. Ihr Stück »Gift« feiert derzeit in Deutschland Triumphe.

„Vekemans erster Roman ist eine formvollendete Fortsetzung des Dramas mit anderen Mitteln. Sie malt, so könnte man sagen, feinfühlig aus, was für die Bühne geschrieben, in gesprochener Rede immer Schema bleibt: das Innenleben der Menschen, die da ostentativ handeln, fehlen und leiden müssen. Und das darf am Ende doch als der größte Triumph der Prosa gelten, wenn es ihr gelingt, das auszufüllen, was das Drama an heimlichen Leerstellen offenlässt.“
[Simon Strauss, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung]

BIBLIOGRAPHIE:
„Ein Brautkleid aus Warschau“. Wallstein Verlag: Göttingen, 2016, ISBN: 978-3-8353-1601-0, 19,90 Euro.
„Schwester von“. (E-Book), 2014, ISBN: 9783844278149, 4,99 Euro.
„Gift. Eine Ehegeschichte“, (E-Book), 2013, ISBN: 9783844264524, 4,99 Euro.

Tommy Wieringa

stellt seinen neuen Roman Dies sind die Namen [2016] vor.

„Dies sind die Namen …“ – mit diesem Satz beginnt das 2. Buch Moses, in dem der Auszug der Israeliten aus Ägypten in das gelobte Land erzählt wird. Die sieben Flüchtlinge, die in Tommy Wieringas Roman Dies sind die Namen durch die grenzenlose, zentralasiatische Steppe ziehen, sind namenlos. Rausgeworfen aus einem LKW und ausgezehrt von den Entbehrungen, erinnern sie sich nicht mehr, woher sie kommen, wissen nur, dass sie nach Westen ziehen wollen. Zur gleichen Zeit versucht der Kommissar Pontus Beg in der heruntergekommenen Grenzstadt Michailopol, zwischen Korruption, käuflichem Sex und Gesetzlosigkeit, seinem Leben mit den Weisheiten des Konfuzius wieder einen Sinn zu geben. Das sich der Weg von Beg auf der Suche nach Identität und Zugehörigkeit und einer Befreiung vom Schmutz und von der Rohheit der Welt mit dem Weg der Flüchtlinge kreuzt, die die Steppe auf der Suche nach dem gelobten Land durchqueren, scheint vom Schicksal vorgegeben. Mit einer kristallklaren Sprache, die aus der Stille der Steppe auftaucht und sich in die Wirklichkeit mit einer Spannung ohne Atempause eingraviert, komponiert Wieringa mit diesem Roman eine poetische Parabel für alle Umherirrenden und Namenlosen des 21. Jahrhunderts.
Die Ausgangspunkte für Wieringas Schreiben sind reale Geschehnisse, die er umwandelt in Erzählungen über den Schmerz und die Hoffnung einer universellen Menschheit. Zu seinem Roman Dies sind die Namen wurde er durch einen Zeitungsartikel über die Flucht einer Menschengruppe aus der Ukraine inspiriert. Um ihn aufschreiben zu können, verbrachte er einige Monate mit ukrainischen Kosaken in der Steppe. Nachdem er es geschafft hatte auf dem Pferd 60 Kilometer an einem Tag zurückzulegen, erhielt Wieringa sogar die informelle Ehrenbezeichnung „Kosake Honoris Causa“, die ihm im Verlauf einer Übernachtung im Freien auf der Basis von viel Wodka verliehen wurde.
Tommy Wieringa wurde 1967 in der niederländischen Provinz Twente geboren. Neben der Arbeit als Schriftsteller schreibt er auch für die bekannten Tageszeitungen De Volkskrant und NRC Handelsblad. Für seinen in fast ganz Europa übersetzten Roman Dies sind die Namen erhielt er den höchstdotierten niederländischen „Libris Literatur Prijs“. Er lebt in der Nähe von Amsterdam.

„Ein beunruhigender Roman, der die äußersten Gegensätze der Realität zusammenbringt, der von Brüderlichkeit und Grausamkeit, vom Tod und vom Leben, von Naivität und List spricht. Der Erzählstil ist gleichzeitig finster und poetisch, provokativ und versöhnlich. Wieringa spricht vom Schmerz des Lebens und darüber, wie man das gegenseitige Verständnis aufrechterhält. Ohne jegliche Rhetorik legt er den Blick auf die Vergangenheit, um die Gegenwart neu zu entdecken.“ [Maria Cristina Coppini, mangialibri.com]

BIBLIOGRAPHIE (AUSWAHL):
„Dies sind die Namen“. Carl Hanser Verlag: München, 2016, ISBN: 978-3-446-24739-0 / 22,00 Euro.
„Eine schöne junge Frau“. Carl Hanser Verlag: München, 2015, ISBN: 978-3-446-24788-8, 14,90 Euro.
„Der verlorene Sohn“. Carl Hanser Verlag: München, 2010, ISBN: 978-3-446-23567-0 / 21,90 Euro.
„Joe Speedboot: keine Zeit für Helden“, dtv, München 2009, ISBN: 978-3-423-13729-4 / 9,90 Euro.
„Niemandes Herr, niemandes Knecht“. Hanser, (E-Book), 2015, ISBN: 978-3-446-24992-9, 2,99 Euro.

Liao Yiwu

der Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandles 2012 präsentiert seinen neuen Roman Sieben Die Wiedergeburt der Ameisen [2016]

„Die Menschen aber sind das Fleisch und Blut der Geschichte,
die nur durch die Schicksale jedes einzelnen zu etwas Greifbarem wird.“
[Liao Yiwu]

Das Jahr 1989 wird für Europa immer mit einem Ereignis der Freiheit in Erinnerung bleiben: Am 9. November fiel die Berliner Mauer und es begann die Wiedervereinigung Deutschlands und West- und Osteuropas. In China wird das Jahr 1989 als ein Jahr der blutigen Unfreiheit in Erinnerung bleiben: Am 4. Juni 1989 ging die chinesische Armee mit Panzern und Gewehren brutal gegen die für ein demokratischeres China protestierende Bevölkerung auf dem Platz des Himmlischen Friedens, dem Tian`anmen-Platz in Peking vor. Dieses Ereignis und seine Folgen prägen das Leben des Dichters, Schriftstellers und Musikers Liao Yiwu bis heute.
Liao Yiwu wurde 1958 in der Provinz Sichuan in der Zeit der großen Hungersnot geboren, bei der weit über 20 Millionen Menschen in China den Tod fanden. Sein Vater, ein Hochschullehrer, bringt ihm schon im Alter von drei Jahren das Lesen und Vortragen klassischer Lyrik und Prosa bei. Während der Kulturrevolution 1966 wird er als Revolutionsgegner angeklagt und lässt sich zum Schutz der Kinder von seiner Frau scheiden. Zusammen mit seiner Mutter wächst Liao in großer Armut auf. Nach einer schwierigen Kindheit ohne regelmäßigen Schulbesuch reist er als junger Mann durch China und verdient sein Leben als Küchenhilfe und Lastwagenfahrer. In dieser Zeit kommt er mit westlicher Lyrik in Verbindung und beginnt, selbst zu dichten. In den 80er-Jahren zählt Liao mit regelmäßigen Veröffentlichungen in chinesischen Literaturmagazinen zu den bekanntesten jungen Dichtern Chinas. Weil er einige seiner Gedichte im Stile westlicher Lyrik auch in der Untergrund-Literaturszene veröffentlicht, wird er seitens der Regierung, die diese Art der Literatur als „geistige Verschmutzung“ beurteilt, auf die Schwarze Liste gesetzt.
Unter dem Eindruck der aufkommenden Unruhen im Land, verfasst Liao Yiwu kurz vor den Ereignissen des 4. Juni 1989 das Gedicht Massaker, welches die Geschehnisse auf dem Platz des Himmlischen Friedens visionär vorwegnimmt. Da er keine Möglichkeit sieht, das Gedicht zu veröffentlichen, nimmt er es auf Tonband auf, welches dann über die bestehenden Strukturen von Schwarzkopierer-Ringen in ganz China Verbreitung findet. Anschließend arbeite er an einem Film über die Ereignisse, dem er den Titel Requiem gibt. Als die Behörden von dem Projekt erfahren, wird er zusammen mit der Filmcrew und seiner schwangeren Frau verhaftet. Wegen „Verbreitung konterrevolutionärer Propaganda“ wird er zu vier Jahren Haft verurteilt. „Die Zeit im Gefängnis war das dunkelste Kapitel meines Lebens. Eine Zeit, in der ich meine Menschenwürde aufgeben musste“, sagt Liao Yiwu. Aufgrund internationalen Drucks kommt er 1994, wenige Tage vor Ablauf der Strafe, wieder frei.
Die Zeit im Gefängnis reißt ihn aus seinem bisherigen Leben heraus. Die Aufenthaltsgenehmigung an seinem Wohnort wird ihm entzogen, seine Frau hat ihn mit dem gemeinsamen Kind verlassen, Freunde und Schriftstellerkollegen wenden sich ab. Sein einziger Besitz ist eine Flöte, die er im Gefängnis zu spielen gelernt hat. Unter ständiger Polizeiüberwachung verdient er sich seinen Lebensunterhalt als Straßenmusiker, Gelegenheitsarbeiter in Restaurants, Teehäusern und Buchläden. Die Gespräche, die er im Gefängnis mit den Mitgefangenen geführt hat, die größtenteils aus den untersten Gesellschaftsschichten stammten, setzt Liao Yiwu, wieder in Freiheit, fort. Diese 2001 veröffentlichten Gespräche mit Menschen vom Bodensatz der Gesellschaft (auf Deutsch: Fräulein Hallo und der Bauernkaiser) durften in China zunächst erscheinen und wurden als eindringliches Porträt der gegenwärtigen chinesischen Gesellschaft gefeiert. Die Behörden bereuten ihre Entscheidung schnell und untersagten seitdem offiziell die Veröffentlichung weiterer Werke von Liao Yiwu. Inzwischen ist bereits die Nennung seines Namens in China verboten. Jeglicher Lebensgrundlagen enthoben, gelang Liao im Sommer 2011 über Vietnam die Flucht aus China. Seitdem lebt er in Berlin im Exil.
„Aber was ist mit der kleinen Geschichte der kleinen Menschen, der normalen Menschen? Das ist, was ich als meine Aufgabe sehe. Ich möchte das Schicksal von einzelnen Menschen in diesem Zeitgeschehen festhalten“, sagt Liao über seine schriftstellerische und gesellschaftliche Aufgabe. Im Jahre 2012 wurde er dafür mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels geehrt. Vor wenigen Tagen nun erschien sein neuestes Buch, der Roman Die Wiedergeburt der Ameisen. Hierin verwebt Liao auf poetisch abgründige Weise die Geschichte seiner Familie mit der Geschichte seines Heimatlandes, das ihn verstoßen hat. Außerdem ist es das Buch eines Menschen, der Demütigung und Folter im Gefängnis erfahren musste, nur weil er Gedichte schrieb.

Indem er als Poet und Zeitzeuge Einzelschicksale sammelt, stellt Liao Yiwu Würde wieder her, (…). Damit folgt er seiner tiefen Überzeugung, dass die Menschen viel dringlicher als jemanden, der im Namen der Geschichte spricht, jemanden brauchen, „der im Namen der Wirklichkeit die Stimme erhebt“. [Felicitas von Lovenberg, Laudatio auf Liao Yiwu, Friedenspreis des Deutschen Buchhandles 2012]

BIBLIOGRAPHIE (AUSWAHL):

„Die Wiedergeburt der Ameisen“. S. Fischer Verlag: Frankfurt a.M., 2016 (erscheint Ende August), ISBN: 978-3-10-044817-0 / 28,00 Euro.
„Die Dongdong-Tänzerin und der Sichuan-Koch: Geschichten aus der chinesischen Wirklichkeit“, S. Fischer Verlag: Frankfurt a.M., 2013, ISBN: 978-3-10-044816-3 / 24,99 Euro.
„Massaker: Frühe Gedichte“, hochroth, Berlin 2012, ISBN: 978-3-902871-00-8 / 8,00 Euro.
„Für ein Lied und hundert Lieder: Ein Zeugenbericht aus chinesischen Gefängnissen“, S. Fischer Verlag: Frankfurt a.M., 2011, ISBN: 3-10-044813-8 / 12,99 Euro.
„Fräulein Hallo und der Bauernkaiser: Chinas Gesellschaft von unten“, S. Fischer Verlag: Frankfurt a.M., 2009, ISBN: 978-3-10-044812-5 / 10,95 Euro.
„Gott ist rot: Geschichten aus dem Untergrund - Verfolgte Christen in China“, S. Fischer Verlag: Frankfurt a.M., 2014, ISBN: 978-3-10-044814-9, 21,90 Euro.
„Die Kugel und das Opium. Leben und Tod am Platz des Himmlischen Friedens“, S. Fischer Verlag: Frankfurt a.M., 2012, ISBN: 978-3-10-044815-6, 24,99 Euro.
„Erinnerung, bleib“. (CD, DVD, Buch), Fly Fast Publishing, Berlin 2012, ISBN: 978-3-943967-00-5, 24,90 Euro.

Karin Betz

Übersetzerin

Karin Betz, geboren 1969 in Hanau, hat in Frankfurt am Main, Chengdu und Tokio Sinologie, Philosophie, Geschichte und Literatur studiert. Sie arbeitet als Übersetzerin chinesischer und englischer Literatur und als Kulturvermittlerin, Moderatorin und DJ. 2013 erhielt sie den Anerkennungspreis des Zuger Übersetzerstipendiums für die Übersetzung des Romans Die Wiedergeburt der Ameisen von Liao Yiwu. Sie lebt in Frankfurt am Main.

„Karin Betz erschließt den Lesern einen Teil der Weltliteratur, der ihnen sonst nicht zugänglich wäre.“ [Sylvia Menzdorf, Frankfurter Neue Presse]

BIBLIOGRAPHIE (AUSWAHL):
Karin Betz (Hrsg.): „Tango fatal: Geschichten vom Tanz der Leidenschaft“, Unionsverlag: Zürich, 2013, 978-3-29300-461-0 / 14,95 Euro.
Jia Mai: „Das verhängnisvolle Talent des Herrn Rong“, übersetzt von Karin Betz, DVA: München, 2015, ISBN 978-3-421-04671-0 / 19,99 Euro.
Mo Yan: „Die Sandelholzstrafe“, übersetzt von Karin Betz, Insel Verlag: Frankfurt a. M., 2009, ISBN 978-3458174462 / 29,80 Euro.

Dževad Karahasan

stellt sein erzählerisches Meisterwerk, den Roman Der Trost des Nachthimmels [2016] vor.
Deutsche Lesung: Rolf Becker

„Wer den bosnischen Schriftsteller Dževad Karahasan jemals erlebt hat, kennt den philosophischen Überschuss, der seiner Rede innewohnt. Die zahllosen Schätze, die er mit didaktischem Charme, theatralischer Verve und luzidem Humor ausbreitet, erzeugen im Zuhörer einen Taumel“, schreibt die Neue Zürcher Zeitung über einen der bedeutendsten europäischen Autoren, der bereits zum dritten Mal zu Gast bei den Poetischen Quellen ist. Diesmal präsentiert er sein erzählerisches Meisterwerk Der Trost des Nachthimmels, an dem er ganze elf Jahre lang gearbeitet hat.
Die Hauptfigur des Romans ist der persische Dichter, Mathematiker, Astronom und Arzt Omar Chayyam. Karahasan entführt uns damit in den Vorderen Orient des 11./12. Jahrhunderts und lässt vor dem Hintergrund seiner Geschichte die Blüte und den Niedergang des Seldschukenreiches vorbeiziehen. Es handelt sich allerdings nur vordergründig um einen historischen Roman. Schon vor Jahren erklärte Karahasan: „… ich gestehe, dass mich emotional nur jene Literatur anspricht, der die Geschichte weniger bedeutet als das menschliche Schicksal. Und es gibt kein Schicksal ohne einen einzelnen Menschen, und es gibt keinen Menschen ohne Gesicht.“ Der Roman beschreibt die Lebensläufe seiner Figuren in ihren Verwicklungen zwischen politischen Intrigen und privatem Glück und Unglück. „Chayyam lebte in einer Zeit lauter Fundamentalismen und war dabei ein großer Skeptiker“, sagte Karahasan gegenüber Deutschlandradio Kultur. „Also wahrscheinlich habe ich deshalb in ihm sozusagen unsere Zeit wiedererkannt und versuche, mein Leben, mein Zeit, meine existentielle Situation durch ihn zu verstehen.“ Die Suche nach dem Verstehen ist auch ein immer wiederkehrendes Motiv des Romans.
Karahasan wurde 1953 in Duvno im heutigen Bosnien-Herzegowina als Sohn einer Muslimin und eines Kommunisten geboren. Obwohl muslimischen Glaubens, besuchte er eine Franziskanerschule und wurde in den klassischen Sprachen, Philosophie und Theologie unterwiesen. Anschließend studierte er Literatur- und Theaterwissenschaften in Sarajevo. 1993 floh er aus der belagerten und umkämpften Stadt. Mit zahlreichen Literaturpreisen ausgezeichnet, ist Karahasan der wichtigste zeitgenössische Schriftsteller Bosnien-Herzegowinas. Heute lebt er wieder hauptsächlich in Sarajevo und in Graz.

„Überflüssig zu sagen, dass Karahasan seinem Helden ein Denken leiht, das in klassischer Rede die Dinge auf moderne Art verhandelt. Es geht um die letzten und die menschlich-allzumenschlichen Dinge, vieles aber liest sich wie ein direkter Kommentar zu unserer aus den Fugen geratenen Zeit. (…). Dževad Karahasans von Katharina Wolf-Griesshaber famos ins Deutsche übersetzter Ideenroman ist ein Jahrzehnte-Ereignis.“
[Andreas Breitenstein, Neue Zürcher Zeitung]

BIBLIOGRAPHIE (AUSWAHL):
„Der Trost des Nachthimmels“. Suhrkamp Verlag: Berlin, 2016, ISBN: 978-3-518-42531-2 / 26,95 Euro.
„Sara und Serafina“. Suhrkamp Verlag: Berlin, 2014, ISBN: 978-3-518-46521-9 / 8,99 Euro.
„Berichte aus der dunklen Welt“, Insel Verlag, Frankfurt a.M., 2007, ISBN: 978-3-458-17337-3; 19,80 Euro.
„Die Schatten der Städte. Essays“, Insel Verlag, Berlin, 2010, ISBN: 978-3-458-17451-6; 17,80 Euro.
„Der östliche Diwan“, Wieser Verlag, Klagenfurt/Celovec, 19942, ISBN: 978-3-8512-9462-0 / 25,80 Euro.
„Tagebuch der Aussiedlung“, Wieser Verlag, Klagenfurt/Celovec, 1993, ISBN: 978-3-8512-9118-6 / 14,80 Euro.
„Königslegenden“, Galrev: Berlin, 1996; ISBN: 978-3-9101-6173-3 / 12,50 Euro.
„Der nächtliche Rat“, Insel Verlag, Frankfurt a.M., 2006, ISBN: 978-3-458-17291-8, 9,95 Euro.
„Das Buch der Gärten: Grenzgänge zwischen Islam und Christentum“, Insel Verlag, Frankfurt a.M., 2002, ISBN: 978-3458-17136-2 / 19,90 Euro.
„Die Fragen an den Kalender“, edition selene: Klagenfurt, 1999, ISBN: 978-3-85266-118-6.„Schahrijars Ring“. Rowohlt: Berlin, 1997, ISBN: 3-87134-239-4.

Rolf Becker

(Schauspieler und Sprecher)

Mit seiner sonoren Stimme und den strahlend blauen Augen gehört er zu den bekanntesten deutschen Schauspielern und Synchronsprechern: Rolf Becker, in Leipzig geboren, wächst ab Kriegsbeginn 1939 auf dem Bauernhof seiner Großeltern im schleswig-holsteinischen Osterstedt auf. Die entbehrungsreiche Zeit des Zweiten Weltkrieges wird für ihn zu einer lebensbestimmenden Erfahrung: „Ich bin Jahrgang 1935, habe die Kriegs- und Nachkriegsgeschichte in Erinnerung und habe eigentlich mein Leben darauf ausgerichtet zu verhindern, dass sich wiederholen kann, was ich als Kind miterlebt habe, aber damals noch nicht reflektieren konnte“, sagt Becker. Nach dem Abitur geht er Mitte der 50er-Jahre nach München und verdient sich als Bühnentechniker seine Schauspielerausbildung, die er an der renommierten Otto-Falckenberg-Schule absolviert. Der Schauspielunterricht ist für ihn ein „Ausweichen vor der Wirklichkeit, mit der ich schwer zu Rande kam“, womit er auch hier die Kriegs- und Nachkriegsjahre meint. Nach mehreren Theaterstationen kommt er 1971 ans Deutsche Schauspielhaus in Hamburg, wo er seitdem lebt. Durch sein Engagement hier und später am Thalia Theater avanciert Becker schnell zu einem der gefragtesten Theaterschauspieler und feiert bald auch Erfolge im Fernsehen und beim Film. Er spielt unter so bekannten Regisseuren wie Edgar Reitz, Peter Zadek und Volker von Schlöndorff (z.B. in Die verlorene Ehre der Katharina Blum). In den bekannten historischen Fernsehmehrteilern der 70er- und 80-Jahre verkörpert er Friedrich den Großen in Die merkwürdige Lebensgeschichte des Friedrich Freiherrn von der Trenck oder den Oberst Piccolomini in der Wallenstein-Verfilmung mit Rolf Boysen. Immer wieder hatte er seitdem Gastauftritte in deutschen Fernsehserien wie Tatort, Wolffs Revier, Großstadtrevier oder Küstenwache. Seit 2006 spielt er in der ARD-Serie In aller Freundschaft den gutmütigen Rentner Otto Stein. Daneben arbeitet er immer wieder alleine oder mit anderen Künstlern als Sprecher und Vorleser. Zusammen mit der sizilianischen Sängerin Etta Scollo liest er im Wechsel mit Joachim Król bei Aufritten ihres Programmes Parlami d`amore Liebesgeschichten italienischer Autoren.
Unermüdlich ist Rolf Becker auch politisch und sozial engagiert. Als Gewerkschaftsmitglied demonstrierte er in den 90er-Jahren gegen die NATO-Angriffe in Ex-Jugoslawien. Im vergangenen Jahr forderte er zur Solidarität mit den Griechen auf. Er unterstützt den Kampf der Kurden gegen Vertreibung und Vernichtung und setzt sich für die Lampedusa-Flüchtlinge in Hamburg ein.

„Kein Mensch ist nur gut. Und kein Mensch ist nur böse. Sondern jeder Mensch hat beide Seiten in sich – das war das Rollenfeld, was mich am meisten interessiert hat.“ [Rolf Becker]

Jürgen Keimer

Moderator des 15. Internationalen Literaturfestes „Poetische Quellen 2016“

Jürgen Keimer wurde 1943 in Kleve geboren. Er studierte von 1962 bis 1966 Katholische Theologie in Paderborn, Tübingen, Bonn und am Pariser Institut Catholique. Nach der Ausbildung und einer zweijährigen Arbeit als Kaplan im kirchlichen Dienst des Bistums Essen, entschloss sich Keimer, noch einmal die Universität zu besuchen, um Geschichte und Kunstgeschichte in Köln zu studieren. Von 1974 an arbeitete er drei Jahre lang als freier Journalist bei der Deutschen Welle, beim ZDF und beim WDR. 1977 wurde er festangestellter Redakteur beim WDR-Hörfunk. Bis März 2005 war er Leiter der Redaktionsgruppe „Aktuelle Kultur“ beim Sender WDR 5. Zu seinem Aufgabengebiet gehörte zum Beispiel die Sendereihe Scala – Das Kulturmagazin; außerdem moderierte er regelmäßig im Wechsel mit anderen Redakteuren die Tischgespräche und die Veranstaltungsreihe Funkhausgespräche im WDR-Funkhaus am Kölner Wallrafplatz. Bei den Gesprächen war ihm vor allem wichtig, „dass sich die Stimmen ergänzen konnten – ich wollte nicht das konfrontative Gespräch. Es ging mir in erster Linie darum, ein Thema gemeinsam plastisch zu machen, anstatt Positionen gegenüber zu stellen.“
Frei sein, Dinge neu denken und das Publikum weg von ausgetretenen Pfaden führen, das gilt nicht nur für die Kunst, findet Keimer, „davon muss auch ein Kulturprogramm etwas haben.“
Seit Beginn des Internationalen Literaturfestes im Jahr 2002 ist Jürgen Keimer Moderator der Poetischen Quellen und führt das Publikum sicher von Autor zu Autor und von Gesprächsrunde zu Gesprächsrunde, immer darum bedacht, neue Gedanken anregen zu können und auf interessante Geschichten und Themen aufmerksam zu machen. „Der Park, die nicht literaturtypische Umgebung macht viel aus. Ich erinnere mich an Samstag- und Sonntagnachmittage, wenn die Leute auf der Naturbühne sitzen: Das ist dann für viele mehr wie ein Ausflug und hat gar nicht die Schwere eines Bildungserlebnisses. Das hat etwas Heiteres. Ganz sicher spielt es auch eine Rolle, dass die Besucher aus Ostwestfalen so viele unterschiedliche Autoren ja nicht allzu oft an einem Ort antreffen können“, beschreibt Keimer die Atmosphäre.
Jürgen Keimer ist die „Stimme“ der Poetischen Quellen.

Den längsten Applaus gab`s ganz am Ende. (…) Und zwar für Jürgen Keimer und seine Marathon-Moderation während der vergangenen vier Tage. (..) Die Welt ist zu Gast in Bad Oeynhausen. Wie ein ruhiger Ozeandampfer steuert Moderator Jürgen Keimer das Publikum souverän und sicher durch Wogen, Wellen und Schaumkronen der Weltliteratur. [Elke Niedringhaus-Haasper, Neue Westfälische]