Die Lange Nacht der Ersten Erde

Samstag, 27. August 2016 -20.30 Uhr -

Eine Begegnung zwischen Literatur und Naturwissenschaften

Der Schriftsteller Raoul Schrott im Gespräch
mit dem Molekularbiologen Hendrik Milting und dem Astrophysiker Josef M. Gaßner


Raoul Schrott
stellt hierbei sein neues Buch Erste Erde. Epos [2016] vor.

„Nie zuvor gab es so viel an Wissen über den Menschen und das Universum – doch je mehr Daten und Details angehäuft werden, desto weniger verstehen wir im Grunde. Wir wissen zwar, dass die alten Mythen nicht mehr stimmig sind – eine andere Geschichte, die uns und die Welt erklärt, gibt es jedoch nicht.“ [Raoul Schrott]

Raoul Schrotts neues Buch Erste Erde. Epos ist das Ergebnis einer intensiven Auseinandersetzung mit unserem heutigen Wissen über die Welt. Schrott unternimmt darin Schrott den Versuch, vorliegende wissenschaftliche Erkenntnisse in epischer Form umzusetzen und sie anhand einzelner Figuren und deren Biographie anschaulich zu machen. So entstehen dramatische Monologe, gewissermaßen Kurzromane, die jeweils ein Wissensgebiet streifen, um es in eine Lebensgeschichte einzubinden und dadurch insgesamt ein erzählerisches Panorama unseres Kosmos vom Urknall über die Entstehung des Planeten bis hin zu uns zu erschaffen. Daraus ergeben sich grundlegende Fragestellungen, die die Menschen zu allen Zeiten beschäftigt haben:Was hat unser heutiges Wissen mit unserem Leben zu tun?Welches Bild vom Menschen geht daraus hervor?Was bedeutet es für unsere Existenz?Wie stehen Naturwissenschaften und Poesie zueinander?

Um Antworten darauf zu finden, hat Raoul Schrott weltweit Reisen an jene Orte unternommen, an denen die Stationen der Weltgeschichte offenbar werden: in die Atacamawüste, wo gerade das weltweit größte Spiegelteleskop gebaut wird oder zum ältesten Gestein der Erde in der Arktis. Er tauchte im Atlantik zu „Weißen Rauchern“, in denen wahrscheinlich das Leben entstand, reiste an die Fundorte von Hominiden oder besichtigte steinzeitliche Höhlenmalereien. Mithilfe der Verknüpfung von Dichtung und Wahrheit wagt Schrott im letzten Teil seines Buches dann den Versuch, ein modernes Gegenstück zu Alexander von Humboldts Kosmos zu entwerfen.

Raoul Schrott, geboren 1964, wuchs in Tunis und Landeck/Österreich auf. Er studierte Literatur und Sprachwissenschaft. Unter seinen vielen Veröffentlichungen befinden sich neben Romanen und Lyrikbänden auch Übersetzungen, Essay und Anthologien. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen für sein Werk und ist seit 2002 Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung.

Hendrik Milting
Molekularbiologe am Herz- und Diabeteszentrum NRW in Bad Oeynhausen

Hendrik Milting, geboren 1961, ist seit 1999 Leiter des Forschungslabors der Klinik für Thorax- und Kardiovaskularchirurgie und seit 2004 Institutsleiter des Erich und Hanna Klessmann-Instituts für Kardiovaskuläre Forschung und Entwicklung am Herz- und Diabeteszentrum NRW in Bad Oeynhausen. Nach seiner Promotion an der Ruhr-Universität Bochum 1994 leitete Milting zunächst vier Jahre lang die Forschung der Klinik für Herz- und Thoraxchirurgie an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, bevor er nach Bad Oeynhausen wechselte. 2005 folgte die Ernennung zum Privatdozenten für das Fach Biochemie an der Ruhr-Universität Bochum. Er ist Mitglied nationaler und internationaler wissenschaftlicher Gesellschaften der Herz-Kreislaufforschung, Kardiologie, Stammzellforschung und Herztransplantation und forscht auf den Gebieten der Biochemie von Herzmuskelerkrankungen, den Auswirkungen der mechanischen Kreislaufentlastung mittels „Kunstherz“ und in verschiedenen Bereichen der Herztransplantationsmedizin.

Josef M. Gaßner
Astrophysiker
Josef M. Gaßner, geboren 1966, studierte Mathematik, anschließend Physik und promovierte 2008 an der Münchener Ludwig-Maximilians-Universität in theoretischer Astrophysik. Er ist Mitarbeiter der Universitätssternwarte München und Lehrbeauftragter der Hochschule Landshut für Astronomie und Kosmologie. Neben seinen Forschungen an der Universitätssternwarte München versucht er in seinen Publikationen und durch populärwissenschaftliche Vorträge einem breiten Publikum komplizierte astrophysikalische Zusammenhänge zu vermitteln. Er ist Mitglied in dem Team der Fernsehsendung Urknall, Weltall und das Leben (www.urknall-weltall-leben.de) und durch gemeinsame Fernsehauftritte mit Harald Lesch bekannt. 2014 veröffentlichten beide zusammen das Buch Urknall, Weltall und das Leben. Vom Nichts bis heute morgen. Völlig unabhängig von physikylisch-kosmischen Themenstellungen hat Gaßner die Hilfsorganisation Schritt für Schritt – Hilfe mit System e.V. mit ins Leben gerufen.

„Für mich ist das größte Rätsel in diesem Universum das Leben, die Fragestellung: Wie konnte sich tote Materie in irgendeiner Weise so selbst organisieren und anfangen, nicht mehr nur in einer Lösung dumm herumzudümpeln, sondern einen Willen zu entwickeln, auszuweichen und überleben zu wollen?“ [Josef Gaßner]